Zukunftsmusik : Berlin im Jahr 2050

Hinter dem Prognosehorizont geht’s weiter. Wie genau, können zwar selbst Profis noch nicht sagen, aber die großen Trends glauben sie zu erkennen. Ein "Live-Bericht 2050".

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Die Sonne sinkt langsam in den Berliner Horizont. Wie wird die Stadt im Jahr 2050 aussehen?
Die Sonne sinkt langsam in den Berliner Horizont. Wie wird die Stadt im Jahr 2050 aussehen?Foto: dpa

Ein Sommertag 2050: Gespräche übers Kinderkriegen und eine Heimfahrt auf der E-Bike-Spur:

Raschid und Iris spazieren an einem Sommersonntag durch den Tegeler Park. Die inzwischen übliche Hitze weckt bei dem 68-jährigen Designer Raschid Erinnerungen an seine Kindheit in Marokko. Er kam 2005 aus Casablanca zum Studium nach Berlin und blieb trotz knapper Kasse in Deutschland, weil hier sein Spezialgebiet – die Schaufeln von Windkrafträdern – besonders gefragt war. Iris ist Lehrerin an einem privaten Schulcenter in Neukölln, wo auch viele Migrantenkinder lernen. Speziell um 2030 gab es eine große Einwanderungswelle; inzwischen hat jeder Dritte in Deutschland ausländische Wurzeln. Die hoch Qualifizierten haben den dramatischen Fachkräftemangel etwas entschärft, die sozial Schwachen bleiben über Generationen arm.

Der Tegeler Park ist nicht nur grünes Idyll, sondern auch Arbeitsstätte von 50.000 in der Umweltwirtschaft Beschäftigten. Und jeder fünfte Berliner Arbeitsplatz hängt an "intelligenter Produktion": an Design, Werbung, Filmindustrie und an der boomenden Spiele-Branche.

Ein Regierungsshuttle schwebt über den Tegeler Park – mit Kurs aufs Kanzleramt, das mit seinen 164 Metern Höhe zu den Berliner Wahrzeichen zählt. Alle Bundesministerien sind in Berlin konzentriert; das sichert kurze Wege.

Ines, Iris’ 18-jährige Tochter aus früherer Ehe, macht gerade ihren Schulabschluss. Seit 2041 wird der Fächerkanon alle fünf Jahre evaluiert und neu zusammengestellt. Ines hat das Spezialfach Mode gewählt und liegt damit im Trend. Sie selbst trägt überwiegend Kleidung aus Hightech-Stoffen, die Farbe und Oberfläche auf Knopfdruck ändern. Wenn es beispielsweise regnet, werden sie wasserundurchlässig.

Das Kinderthema ist ein heikles. Denn Raschid hatte bisher nur wechselnde Partnerschaften und wäre nun gern Vater. Zwar lassen sich mithilfe der weltweit führenden Berliner Pharmaunternehmen auch Kinderwünsche von 55-jährigen Frauen erfüllen, aber Iris ist skeptisch: Zwar ist sie 20 Jahre jünger als Raschid, aber sie fürchtet sich vor der Armutsfalle, in die die Familie mit dem 68-jährigen Freiberufler als Alleinverdiener dann geraten könnte, in Berlin noch mehr als anderswo.

Als es dämmert, schwingen sich die beiden auf ihre Elektrofahrräder. Am Saatwinkler Damm schwenken sie auf die E-Bike-Spur ein, auf der der Motor während der Fahrt mit Strom versorgt wird. Ein Chip rechnet den Verbrauch ab; die Fahrt von Tegel zur Wohnung nach Alt-Moabit kostet 40 Cent. Doch an der Ecke Strom- und Turmstraße stockt der Verkehr: Zwei Radler sind zusammengestoßen, das E-Band ist gestört. Raschid lästert über die anfällige Technik, und Iris merkt erst jetzt, wie sehr der Verkehrslärm ringsum nervt. Eigentlich war es früher mit dem Bus nach Tegel auch nicht schlecht, denkt sie, zumal bei der Hitze.

Während ein Förderband die E-Bikes in die unterirdische Minigarage transportiert, gibt Raschid über sein All-in-One-Gerät der Teemaschine in ihrer Dachgeschosswohnung das Signal zum Start. Über dasselbe Gerät hatte er zuvor im Park eine Pizza bestellt. Das neumodische Synthetik-Essen, vor allem den Fisch- und Fleisch-Ersatz, mögen beide nicht besonders.

Der Bericht der Prognos-Experten wird hier gekürzt wiedergegeben.

Die gesamte Studie finden Sie hier

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