Zukunftspläne : Blütenträume für Tempelhof

Bisher hat Berlins Senat sich mit konkreten Pläne für Tempelhof zurückgehalten. Doch jetzt wissen wir mehr: Der Senat will auf dem Flughafengelände die Internationale Gartenausstellung 2017 ausrichten. Im selben Jahr solle es dort eine Internationale Bauausstellung geben.

Ulrich Zawatka-Gerlach

Das Gelände des Flughafens Tempelhof, der Ende Oktober geschlossen wird, soll offenbar mehr als ein Wiesenmeer mit Randbebauung werden. Das große Areal könnte 2017 Schauplatz der Internationalen Gartenausstellung (IGA) sein, die in Deutschland zuletzt 2003, und zwar in Rostock, stattfand. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) will dem Senat vorschlagen, sich für die hoch attraktive Landschafts- und Blumenschau zu bewerben. Ebenfalls 2017 soll auf dem Tempelhofer Feld eine Internationale Bauausstellung (IBA) stattfinden, das Konzept wird im Herbst fertig sein.

Berlin kann davon profitieren, dass die Pläne der Bodenseeregion für eine Internationale Gartenschau 2017 gescheitert sind. Hamburg hat schon für 2013 den Zuschlag erhalten und will mit Hilfe der IGA die Elbinseln Wilhelmsburg und Veddel als grüne Stadtquartiere entwickeln. Die Vorbereitungen laufen seit drei Jahren. In Rostock hatte die Gartenschau, in die Bund und Land 60 Millionen Euro investierten, auch den Tourismus und das Kongressgeschäft befördert. 33 Länder, von Bolivien bis China, präsentierten sich dort mit eigenen Gärten.
 
Wegen der hohen Kosten und des beträchtlichen Aufwands muss der Senat dem Megaprojekt noch zustimmen. In jedem Fall bereitet die Stadtentwicklungsbehörde ab November einen Wettbewerb für die Gestaltung der Parklandschaft in Tempelhof vor: Fast zwei Drittel des 386 Hektar großen Areals sollen aus stadtklimatischen Gründen Freifläche bleiben. Und spätestens Anfang September werde der städtebauliche Wettbewerb für den Bau von 1500 Wohnungen an der Nordseite des Flughafengeländes ("Columbia-Quartier") europaweit angekündigt, sagte die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Manuela Damianakis, dem Tagesspiegel.

Berlin und der Bund werden sich über den Preis des Bundesanteils am Flughafen Tempelhof, den Berlin kaufen will, in nächster Zeit "lebhaft streiten". Das ist jedenfalls die Prognose des Chefs der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima), Dirk Kühnau. Grundlage für die Verhandlungen wird der Verkehrswert sein, den der beauftragte Gutachterausschuss noch nicht ermittelt hat.

Kühnau stellte in diesem Zusammenhang den Denkmalschutz für das Flughafengebäude infrage. "Wenn es fast unmöglich ist, den sanierungsbedürftigen Bau in wirtschaftlich vertetbarem Rahmen herzurichten, geht der Wert der Immobilie gegen Null." Übrig bleibe dann der Bodenwert. Da stelle man sich schon die Frage, so Kühnau, ob es für den Bund als Haupteigentümer zumutbar ist, "wenn so ein Denkmal ewig bestehen bleibt". Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung reagierte empört. "Weder wird der Denkmalschutz aufgehoben noch das Gebäude gravierend verändert", sagte eine Sprecherin. "Das ist mit uns nicht zu machen."

Nach Meinung Kühnaus ist die Wertermittlung der Immobilie auch wegen der unklaren Vermarktungsmöglichkeiten für das Hauptgebäude schwierig. Und wegen der ebenfalls offenen Frage, in welchem Zeitraum und Umfang der Senat das Tempelhofer Feld bebaut. "Jede Entwicklung hebt natürlich den Wert."

Wie das Tempelhofer Feld nach der Schließung für die Bevölkerung erschlossen wird, ist offen. Ein Volksfest zum Abschied ist nicht geplant. "Wir wollen alles vermeiden, was nach dem gescheiterten Volksentscheid wie eine triumphierende Geste wirken könnte", sagte Damianakis. Vorerst wird es wohl nur weitere Busbesichtigungstouren über das Gelände geben, oder vereinzelte Kulturveranstaltungen. Das käme dem Bund entgegen, der vorerst noch Miteigentümer ist. "Ein paar Tage öffnen, dann wieder schließen, das ginge", sagt Bima-Chef Dirk Kühnau. "Ansonsten sollte der Nutzung des Geländes durch unerwünschte Gäste nicht freier Lauf gelassen werden."

Ein Architektenbüro hatte im Auftrag der Bima ein erstes Sicherheitskonzept vorgelegt. Darin wird die Erhaltung der vorhandenen Zaunanlagen, die Erweiterung der Videoüberwachung und zusätzliches Wachpersonal empfohlen. Ab Frühjahr 2009 will der Senat geeignete Bereiche des Tempelhofer Feldes schrittweise für Zwischennutzungen, etwa Sport- und Freizeitaktivitäten, öffnen.

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