Berlin : Zulassungstelle: Im Kfz-Amt ist die Hölle los

Tobias Arbinger

Das Geschäft ist denkbar einfach, aber nicht ganz legal. Schwarzhändler nutzen die langen Wartezeiten in der Kfz-Zulassungsstelle an der Jüterboger Straße in Kreuzberg aus. Sie ziehen so viele Wartemarken aus dem Automaten, wie sie bekommen können, und verkaufen sie für 15 bis 20 Mark an Leute, die es eilig haben. Offenbar sind genug Menschen bereit zu zahlen. Denn in der Zulassungsstelle seien Wartezeiten von "bis zu vier Stunden keine Seltenheit", sagte gestern Eberhard Schönberg von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Zurzeit ist der Andrang in der Behörde besonders groß - die Motorräder werden aus den Garagen geholt.

Er höre von Wartenden immer wieder von solchen Angeboten, sagte der Leiter des Landeseinwohneramtes (LEA), Udo Rienaß. Die Wartemarken, die ein unbewachter Automat ausspuckt, würden offenbar an den Eingängen der Zulassungsstelle angeboten. Der Missbrauch des Automaten führe zu weiteren Verzögerungen, sagte er. Nicht nur Händler, sondern auch normale Kunden zögen mehr Marken als benötigt. Bis zu 1000 "fehlgezogene" Nummern registriert die Behörde pro Tag. Die Sachbearbeiter warteten nach jedem Aufruf jedoch etwa 30 Sekunden auf ihren Kunden - oftmals vergeblich. Nach Angaben von Eberhard Schönberg von der GdP kommt es auch vor, dass Besucher der Zulassungsstelle nicht mehr an die Reihe kommen, weil an einem Tag nur eine bestimmte Anzahl von "Fällen" abgearbeitet werden könne.

Das Landeseinwohneramt will das Problem nach Angaben von Rienaß nun durch Umbauten lösen. Bis zum August soll es im Parterre der Dienststelle drei bis vier Schalter geben, an denen LEA-Beschäftigte die Wartemarken persönlich aushändigen. Außerdem werden sie die Kunden beraten. Damit solle künftig vermieden werden, dass sich jemand anstellt, der nicht alle Unterlagen beisammen habe, sagte der Behördenleiter. In der Zulassungsstelle in der Ferdinand-Schultze-Straße in Hohenschönausen habe man mit solchen Schaltern gute Erfarungen gemacht. In Hohenschönhausen seien die Wartezeiten kürzer, möglicherweise auch, weil man dort telefonisch Termine mit den Sachbearbeitern vereinbaren kann.

Rechtlich will das LEA nicht gegen die Schwarzhändler vorgehen. Man könnte "höchstens ein Hausverbot aussprechen", sagte Rienaß. Ob dieses etwas bringe, sei fraglich.

"Der eigentliche Punkt ist nicht die kriminelle Energie, die hinter dem Handel steckt, sondern der Umstand, dass man Stunden seines Lebens in der Zulassungstelle verbringt", sagte Schönberg. Es gebe dort viel zu wenig Personal. "Dort ist schon seit langem die Hölle los".

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