Berlin : Zum Auftakt Trockenfisch

Die erste Station bei seinem Besuch in Berlin war ein norwegisches Restaurant Kronprinz Haakon speiste zusammen mit Rut Brandt und dem Ehepaar Clement

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„Herzlich willkommen zum Lutefisk-Mittagessen mit dem SKH Kronprinzen Haakon als Ehrengast“ lockte gestern ein Plakat im Fenster von Munch’s Hus. So heißt das erste und einzige norwegische Lokal in Deutschland, das der 29-jährige Kenneth Gjerrud im September 2001 am Bülowbogen mitten im Schöneberger Kiez eröffnete. Gestern hatte der gelernte Koch, der seit acht Jahren in Berlin lebt, seinen großen Tag.

Der Anschlag im Restaurantfenster war dabei etwas irrtümlich, denn natürlich lud der junge Wirt nicht die Anwohner ein, gemeinsam mit Mette Marits Ehemann Lutefisk zu speisen – ein traditionelles norwegisches Weihnachtsessen aus in Lauge gebeiztem Kabeljau mit Speck, Erbsenpüree und Mandelkartoffeln. Vielmehr hatte das Protokoll dem Kronprinzen, der gestern Nachmittag in der Philharmonie das Nordische Musikfestival „Magma 2002“ eröffnete, mittags etwa 40 allerlei höchst ehrenwerte Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur zum Trockenfisch – die Grundsubstanz des Lutefisk - gesellt. Allen voran Superminister Wolfgang Clement, der mit seiner Frau Karin nicht zum ersten Mal mit dem Kronprinzen speiste. Im Mai, als Haakon und Mette Marit in Düsseldorf weilten, hatten beide Paare auf einem Rheindampfer einen gemeinsamen Abend verbracht.

Gestern durfte Karin Clement die rechte Tischdame des Kronprinzen sein, links neben ihm achtete die Gattin des norwegischen Botschafters darauf, dass alles seine Ordnung hatte und schräg gegenüber hatte Rut Brandt die Ehre am Tisch des norwegischen Thronnachfolgers. Eine halbe Stunde, bevor dieser gegen 13 Uhr 10 kam und unter den Gemälde-Reproduktionen seines berühmten Landsmanns Edvard Munch Platz nahm – der Maler kam einst wie der junge Gastwirt aus Asgardstrand nach Berlin – genossen die ersten Gäste, was ihnen der norwegische Student der Wirtschaftswisssenschaften, Jörn Havköy, in seinem Berliner Job als Barkeeper aus Linie Aquavit und Wodka mit Limettensaft mixte. Karin Clement und Hege Wetland begrüßten sich mit Küsschen – die Ministerfrau im grauen Nadelstreifenkostüm mit dreiviertellangem Rock, die aparte schwarzhaarige Botschaftergattin in spitzen Stiefeln und beigem Jackenkleid. Wie aus dem Ei gepellt Rut Brandt in rotem Rock und marineblauer Jacke, aus der schneeweiß die Bluse leuchtete. Ja, mit Mitgliedern des Könighauses habe sie schon gespeist, nur mit Haakon noch nicht, verriet sie freundlich. Ob sie abends auch am Empfang in den Nordischen Botschaften teilnehme, wusste sie mittags noch nicht so recht, „gesundheitlich geht es mir nicht so“.

Kurz vor 13 Uhr schuf der norwegische Botschafter Morten Wetland im mittlerweile überfüllten „Munch’s Hus“ Platz und setzte die Medienschar höflich vor die Tür. Vor der lag ein roter Teppich und am Rande des Gehwegs viel von dem, worin man nicht gerne tritt. Dann ging alles plötzlich sekundenschnell - sehr schmal und sehr jung eilte Norwegens künftiger König an dem aufgestellten Verkehrsschild „Achtung Elch“ vorbei ins Lokal – vielleicht war er sehr hungrig. Reingetreten ist er nirgends – und mitbekommen hat den hohen Gast in der Bülowstraße 66 gestern auch niemand. hema

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