Berlin : Zum Finale in die Hauptstadt: Parteien bejubeln sich

Merkel, Schröder, Fischer, Lafontaine: Wie die Spitzen zum Wahlkampfschluss um Stimmen warben

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Am Ende zog es fast alle ins Zentrum der Macht. In Berlin feierten die Parteien am Freitagabend den Abschluss des Bundestagswahlkampfes mit großen Kundgebungen. Die SPD auf dem Gendarmenmarkt. Die CDU im Tempodrom. Die Linkspartei/PDS auf dem Schloßplatz und die Grünen am Flughafen Tempelhof. Nur die FDP war nach Wiesbaden ausgewichen.

Das Wetter passte gestern Abend so gar nicht zur Stimmung. Kurz riss der Himmel auf, dann regnete es in Strömen und ein kalter Wind blies den mit tausenden Menschen gefüllten Gendarmenmarkt mühsam wieder trocken. Die „Gerhard, Gerhard“Rufer und die Münte-Fans wärmten sich wacker am eigenen Jubel. Und sie lachten herzlich, als der Schriftsteller Günter Grass den CDU- Steuerexperten Paul Kirchhof einen „Mann aus der sozialen Kältekammer“ nannte. Grass ist für Rot-Grün, weil es nichts besseres gäbe, dann drückte ihn Gerhard Schröder an die Brust. Es gab Bier und Würstchen, rote Luftballons, Musik und Pina Colada. „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, rief der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. „Und wir werden kämpfen bis Sonntag um 18 Uhr!“

Zumindest darin waren sich SPD und CDU einig. Dass sie bis zum Schluss kämpfen würden, sagten auch die Unionsgranden auf ihrer letzten Wahlkampf-Veranstaltung im Tempodrom: Volker Kauder, Angela Merkel und – seit gestern muss man wohl auch den Popsänger Haddaway dazuzählen. „Wenn ein Trainer seine Mannschaft nicht in den Griff kriegt, dann muss er gehen“, sagte der. Dröhnender Applaus, besser hätte auch Kauder den Kanzler nicht schmähen können. Edmund Stoiber wurde aus München zugeschaltet. Dann malte Angela Merkel ihre „Horrorbilanz“ von Rot-Grün aus: 40000 Firmenpleiten, 40 Milliarden Euro Schulden jährlich, fünf Millionen Arbeitslose.

Das war bei den Grünen kein Thema. Ausgelassene Stimmung, Luftballons, Bierstände. Bänder mit „Zweitstimme für Joschka“ drauf – und dann kam er: Der „Magic Bus“ rollte um 20.10 Uhr in den Hangar 2 des Flughafen Tempelhof, Joschka Fischer stieg aus, 2000 Leute jubelten. Der grüne Spitzenkandidat warb für eine „selbstbewusste Friedenspolitik“ und wie die Berliner Spitzenkandidatin Renate Künast für erneuerbare Energien. Sie sprach von einer Richtungswahl: Während Merkel und die CDU sich für „Kinder, Küche, Kirchhof“ einsetzten, stehe grüne Politik für „Kinder und Karriere“ und für Gleichstellung. „Bis 17.59 Uhr werden wir für Grün kämpfen“, rief Parteichefin Claudia Roth.

Der Preis für die Partei mit dem längsten Durchhaltevermögen dürfte zum Wahlkampfabschluss an die Gefolgschaft der Linkspartei/PDS gehen. Die feierte ihre Spitzenkandidaten auf dem nasskalten Schloßplatz von 16 bis nach 21 Uhr, um so noch in die Live-Übertragung der ARD zu gelangen. Der Stimmung der Fans von Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und Co. war das Warten nicht abträglich. Sie bejubelten die Aussagen ihrer Spitzenkandidaten gegen Krieg und für soziale Gerechtigkeit, und als gegen Ende der Chef des Linkspartei-Partners WASG, Klaus Ernst, auf die Bühne vor dem Palast der Republik trat, war die Laune der gut 1000 jubelnden und „Die Linke“-Fähnchen schwenkenden Fans so aufgekratzt, dass der Bayer sich ans Oktoberfest erinnert fühlte. sib/mne/lvt/za

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