Berlin : Zum Jodeln

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad über

den guten Klang gelöcherter Plastikfolie

Probleme mit der Akustik? Nicht, wenn man ein begnadeter Komiker ist. „Hallo, Echo!“, ruft er erwartungsvoll in die Runde. „Hallo, Otto!“, schallt es zuverlässig zurück. In anderen Berufsgruppen ist solche Wechselwirkung verpönt, bedeutet geradezu den Ruin fürs Lebenswerk. Nehmen wir nur Hans Scharoun und seine Philharmonie: EchoEffekte wären allenfalls bei Jodelkonzerten in Ordnung, und die sind dort bekanntlich selten. Aber sie waren ohnehin nicht das Problem nach der Eröffnung im Oktober 1963. Beklagt wurden vielmehr Violinen „wie hinter Schleiern“ oder Holzbläser „mit primadonnenhafter Intonation“ und allzu „scharfem thematischem Akzent“, wie der Kritiker des Tagesspiegels monierte. Monatelang wurde debattiert, bis man den guten Klang durch Klangsegel und weitere Reflektoren ausgetüftelt hatte. So lagen die Baumeister im Zeughaus trotz aller akustischen Unbill gar nicht so falsch und stehen im Vergleich sogar glänzend da: Ein bisschen gelöcherte Plastikfolie genügte. Vielleicht wird diese irgendwann sogar selbst, wie die besegelte Philharmonie und das noch folienfreie Zeughaus, unter Denkmalschutz gestellt. Bleibt nur zu hoffen, dass die musealen Eventmanager nicht noch unter anderem Ohrenärger zu leiden haben wie einst Karajan: knarrende Türen.

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