Berlin : Zum Letzten…

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VON TAG ZU TAG

Lothar Heinke fragt sich: Wer will um jeden Preis ins Haus von Egon Krenz?

Das Anwesen des letzten Generalsekretärs des ZK der SED im stillen Niederschönhausen (250 qm Wohnfläche, GästeWC, abhörsicher und von schlichter Schönheit) soll verkauft werden, und da kann sich die Oberfinanzdirektion vor Anfragen nicht mehr retten. Immerhin: der Parteichef hatte 1990, als das Ghetto von Wandlitz als Nachtlager weder opportun noch sicher war, für dieses Regierungs-Gästehaus 252 000 Mark der DDR bezahlt. Bisschen nett wirds schon gewesen sein, wahrscheinlich sogar luxuriöser als in der Waldsiedlung bei Berlin, wo nach der Wende jeder sehen konnte, wie schlicht der deutsche Spießer made in DDR zu wohnen pflegte, nicht mal goldene Armaturen hatten die, nur ein paar Pornos im Keller, Bananen im Intershop und ansonsten Häkeldeckchen im stillen Eckchen.

Aber nun fragt man sich: Wen könnte die Hütte im Rudolf-Ditzen-Weg interessieren? Wer sind die Fans von Egon Krenz? Sucht die PDS vielleicht etwas Bleibendes für sich und ihr DDR-Museum? Möchte Sahra Wagenknecht egalweg vom Genius Loci geküßt oder der Chefredakteur der Super-Illu auch fürderhin und bis in alle Ewigkeit von ostalgischen Gefühlen überwältigt werden? Dehnt Udo Walz sein Imperium gen Osten aus? Bietet Georg Gafron von der „B.Z.“ mit, um den Sieg über das dunkelrote Böse zu vollenden? Wird das Haus zum Ableger des Deutschen Historischen Museums, interessiert sich Fidel Castro dafür oder der Botschafter Nordkoreas? Sucht Markus Wolf hier nach verborgenen Botschaften und toten Briefkästen, oder kommt Alexander Schalck-Golodkowski back to the roots? Vielleicht sucht der Effenberg ein Geschenk für seine schöne Claudia, es ist aber auch möglich, dass ein reicher West-Mensch den Laden kauft, um ihn abzureißen und ein schickes Nostalgie-Hotel zu bauen. Das könnte dann so heißen wie der Film, dem wir den ganzen Run verdanken: Good Bye, Egon!

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