Berlin : Zum Nachbarn klicken

Kieze und Einzelhändler entdecken das Internet für ihre Zwecke. Viele Projekte werden gefördert

Constance Frey

Neulich bekam der Herrenausstatter OSKA in der Bleibtreustraße Kundschaft von weither: Japanische Touristen hatten den Laden beim Surfen im Internet unter www.kurfuerstendamm.de gefunden, den Ausdruck in japanischer Übersetzung brachten sie gleich mit. Berlin geht online – nach den Bezirksverwaltungen entdecken nun auch immer mehr Einzelhändler und Kiezinitiativen den Nutzen eines Internetauftritts. Neben kommerziellen Auftritten wie www.kurfuerstendamm.de starten soziale Internetprojekte mit öffentlicher Förderung.

Ein solches Projekt ist gerade mit www.einkaufen-in-fk.de abgeschlossen worden. Die EU hatte 53000 Euro zur Verfügung gestellt, damit sich neun Geschäftsstraßen unter einem Portal zusammenschließen konnten. „Das ist ein sehr gutes Instrument für Geschäftstreibende, um sich fast ohne Aufwand zu präsentieren“, sagt die EU-Referentin von Friedrichshain-Kreuzberg, Ellen Wadewitz.

Für die Seiten des Quartiersmanagements finanziert der Senat das gemeinsame Portal www.quartiersmanagement-berlin.de. Hier präsentieren sich 19 Kieze im Internet. Kai Malmus arbeitet für www.falkplatz-quartier.de. Er sammelt Informationen über Vorträge, Kurse und Flohmärkte im Viertel. „Als die Initiative ,Rettet den Mauerpark‘ anlief, hat sie unsere Seite als Informationsplattform genutzt“, sagt er. Heute klicken sich 3000 Personen im Monat in den Auftritt – bei etwa 8000 Kiezbewohnern eine gute Quote. Werbung ist auf den Seiten nicht erlaubt. 2006 läuft die Förderung aus, dann müssen Vereine die Aktualisierung der Webseiten übernehmen.

Wie viele aktive Webseiten von Berliner Kiezen existieren, ist schwer zu sagen. Ralph Bauer hat auf seinem Portal www.berlin-bookmarks.de ungefähr 100 Kiezseiten gesammelt und schaut regelmäßig nach, ob sie noch aktualisiert werden. Viele Seiten sind Privatprojekte: Bei www.hufelandstrasse.de findet man unter einer Hausnummer Namen und Telefonnummern der ansässigen Geschäfte, www.kottiguide.de veröffentlicht Rabattcoupons für die Buchhandlung Regenbogen um die Ecke, www.brunnenstrasse.de erzählt die Geschichte dieser Straße. Für Olf Dziadek, verantwortlich für den Betrieb von www.berlin.de, sind die meist sozial begründeten Kiezseiten eine Orientierungshilfe für Neuberliner. „Diese Seiten tragen zur Gesamtkultur der Stadt bei, sind ein Stück Kiezkultur.“

Bei www.friedrichstrasse.de und www.kurfuerstendamm.de sollen die Seiten durch die Beiträge der Einzelhändler finanziert werden, die hier für ihre Präsentation zahlen müssen. Laut Betreiber globe media wählen sich hier monatlich fünf Millionen Nutzer aus 110 Ländern ein. Ladenbesitzer am Alexanderplatz und in der Schloßstraße wollen jetzt auch einen eigenen Auftritt haben. Globe media braucht dennoch einen langen Atem: Die Seiten werfen nach vier Jahren Laufzeit noch keinen Gewinn ab.

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