Berlin : Zum Rennen bewegt

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Berlin. Manchmal ist Horst Milde von seinen eigenen Zahlen überrascht. Vier Jahrzehnte lang hat er für den SCC Berlin ein paar hundert Läufe veranstaltet. Dabei wuchs der Berlin-Marathon vom Volkslauf zum spektakulären Straßenrennen heran. In der vergangenen Woche waren es jedoch nicht die Meldezahlen für den Marathon, die Milde überraschten, sondern jene für den Frauenlauf. Bei der größten deutschen Frauen-Fitnessveranstaltung gingen am Sonnabend im Berliner Tiergarten 9426 Läuferinnen aus 28 Nationen an den Start – entweder über fünf oder über zehn Kilometer.

„Für deutsche Verhältnisse ist das eine einmalige Zahl. Das ist ein Durchbruch wie beim Berlin-Marathon“, sagt Horst Milde. 7000 Teilnehmerinnen hatten die Organisatoren eingeplant, doch in den letzten Tagen wurden die Veranstalter regelrecht überrannt. Im vergangenen Jahr joggten 6083 Frauen und Mädchen durch den Tiergarten, nur 645 Teilnehmerinnen hatte der Frauenlauf bei seiner Premiere 1984.

„Viele Frauen haben inzwischen herausgefunden, dass das Laufen ihnen gut tut“, sagt die Berlinerin Kathrin Weßel, die am Sonnabend das 10-km-Rennen in 33:02 Minuten gewann. Im nächsten Jahr müssen die Organisatoren die Strecke verlegen, um dem Andrang gerecht zu werden. Parkwege reichen in Berlin nicht mehr aus für die laufenden Frauen. Fast erinnert die Situation an den Beginn der Laufbewegung in Deutschland, als vor gut 20 Jahren die ersten Marathonrennen in der City stattfanden.

Diese Entwicklung hängt auch mit dem Service zusammen, den der SCC Berlin mit den Sponsoren Avon, Nike und Tagesspiegel anbietet. Dazu gehört eine mehrmonatige, kostenlose Trainingsbetreuung, die nun auf das gesamte Jahr ausgedehnt wird. Auch das Anliegen, junge Menschen zum Laufen zu bewegen, klappt immer besser. 3209 Schülerinnen rannten fünf Kilometer mit – noch eine beeindruckende Zahl. Jörg Wenig

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