Berlin : Zum Strand nach nebenan

Die Biergartensaison ist eröffnet. In vielen Lokalen wird wieder Sand aufgeschüttet – fürs Urlaubsgefühl

Constance Frey

Simone Leiske und Johanna Ismayr können die Saison auf der Sonnenseite eröffnen. Weil der Bezirk den Betreiberinnen des Bundespressestrandes kein Grundstück bewilligt hat, pachteten sie ein Areal des Bundes am Kapelle-Ufer. „Hier haben wir mehr Sonne als letztes Jahr“, sagt Simone Leiske. Noch sieht es auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück gegenüber dem Ludwig-Erhard- Ufer aus wie auf einer Baustelle. Aber bis zur Eröffnung am 30. April sollen hier Strandkörbe, Palmen und Liegestühle stehen. Dazu haben die beiden Frauen in einen Veranstaltungspavillon und zwei ovale Swimmingpools investiert. Es darf auch geschwommen werden – allerdings eigenen sich die Pools bei einer Größe von acht mal sechs Metern eher für Kinder. Das brachliegende Grundstück ist für zwei Jahre angemietet. „Wir haben jetzt Planungssicherheit bis 2006“, freut sich Simone Leiske. Ab 30. April laden die Betreiberinnen zum „Probesonnen“ ein.

Wie am Bundespressestrand bereiten sich die Berliner Biergärten auf die Saison vor. Neben Traditionslokalen wie dem Schleusenkrug, der seit 51 Jahren in Betrieb ist, gibt es einmalige Projekte wie den Berlin Beach Club, der vergangenes Jahr am Leipziger Platz lag. Andere Lokale tauchen unter neuem Namen wieder auf. Zum Beispiel heißt das Haus Menardie am Bundeskanzleramt mit der großen Kastanie im Garten jetzt Zollpackhof. Der Trend zu Strandbars ist nach wie vor ungebrochen. „Innerstädtische Strände sind beliebt“, sagt Sylke Bluhm vom Hexenkessel Hoftheater, das die Strandbar Mitte und den Oststrand hinter der East Side Gallery betreibt. Viele Menschen würden Strandbars nach Feierabend zu einer Art Kurzurlaub nutzen.

Auch Rudolph Kornel, der neue Geschäftsführer der Loretta an der Lietzenburger Straße in Wilmersdorf, hat im hinteren Teil des Traditionsbiergartens 1100 Tonnen Sand ausgeschüttet. „Wir haben Strandkörbe und -liegen aufgestellt und es gibt einen Beachvolleyballplatz“, sagt er. Nur das Wasser fehlt zum perfekten Strandgefühl. Auch vor dem Restaurant Auster im Haus der Kulturen der Welt werden in der kommenden Woche Strandkörbe und Cocktailhäuschen aufgestellt. Am 1. Mai wird der Biergarten eröffnet, und Eventmanagerin Martina Göttler kann die rasanten Fortschritte auf der Baustelle kaum fassen: „Bis vor zehn Tagen war hinter dem Haus ein riesiges Loch.“ Das Stück Spreepromenade ist bereits fertig, und wenn die „Auster“ dadurch auch weniger Platz am Ufer hat, darf sie jetzt die ganze Terrasse nutzen, über die früher der Promenadenweg führte.

Für die Agentur Inovent ist der Saisonauftakt auch mit leichtem Unbehagen verbunden. Zwar ist der im letzten Sommer durch Brandstiftung zerstörte Pavillon der Oranke am See längst wieder aufgebaut. Doch den Täter hat die Polizei bisher nicht gefunden. Aber davon will sich Seraphine Sgolik nicht beunruhigen lassen. Wie das Lokal am See ist das Oranke Orange in der Karl-Marx-Allee seit Ostern eröffnet, jetzt werden noch zusätzliche Strandkörbe aufgestellt. „Ab Mai wollen wir kostenlos jeden ersten und dritten Sonntag im Montag Kinderkochen anbieten“, sagt Sgolik. Dann können die Eltern in Liegestühlen entspannen, während sich ihre Kinder unter Anleitung selbst etwas brutzeln.

Sand ist auch im Prater in der Kastanienallee angekommen. Hier ist er aber nicht für einen Strand bestimmt, sondern für einen Buddelkasten zur kindlichen Belustigung.

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