Zum Tod von Michael "Bommi" Baumann : Der Terrorist, der Reue zeigte

"Haschrebell", Bombenbauer der "Bewegung 2. Juni", schließlich geläuterter Ex-Drogenabhängiger: Bommi Baumann führte ein Leben voller Wendungen - und in Konkurrenz zur RAF. Ein Nachruf.

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Nach dem Terror: Michael Baumann 1987 in einem Fernsehstudio.
Nach dem Terror: Michael Baumann 1987 in einem Fernsehstudio.Foto: imago/teutopress

„High sein, frei sein, Terror muss dabei sein“ – das war ein Spruch nach seinem Geschmack. Für „Bommi“ Baumann umriss das viele Jahre, in denen er so etwas wie ein Popstar der gewaltbereiten Linken war, sein politisches Konzept. Vom „umherschweifenden Haschrebellen“ bis zum skrupellosen Bombenbauer und zurück zum geläuterten Ex-Drogenabhängigen: ein Leben voller Wendungen und Achterbahnen. Am 19. Juli ist Bommi Baumann mit 68 Jahren in seiner Heimatstadt Berlin gestorben.

Am Anfang hing der 1947 geborene „Bommi“ an der Gedächtniskirche herum und war Mitglied der „umherschweifenden Haschrebellen“. Der Tod von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 prägte ihn entscheidend. Die anfangs friedfertige Szene radikalisierte sich im Verlauf der Studentenbewegung zunehmend. Bommi Baumann, Georg von Rauch und Thomas Weisbecker, die in der sogenannten „Wielandkommune“ zusammenlebten, taten sich zusammen, um als "Stadtguerilla" aktiv zu sein.

Ihr Vorbild waren die Tupamaros in Uruguay. Nach Brandanschlägen der „Tupamaros West-Berlin“ gegen eine britische Fluggesellschaft saß Baumann 1970 einige Monate im Gefängnis. Sein Weg zu einer zentralen Figur der gewaltbereiten Szene in West-Berlin beschleunigte sich, als Ende 1971 sein Freund Georg von Rauch von der Polizei erschossen wurde. Zusammen hatten sie ein Auto stehlen wollen.

Er sah sich als „Proletarier“

Für den gelernten Betonbauer Baumann begann damit der Weg in den terroristischen Untergrund. Wenige Monate später war er Mitbegründer der terroristischen „Bewegung 2. Juni“, die auch im eigenen Verständnis durchaus mit der RAF konkurrierte. Er sah sich als „Proletarier“, der anders als die studentisch und intellektuell geprägten Mitglieder der RAF praktische Berufserfahrung hatte.

Im Februar 1972 starb bei einem Bombenanschlag auf den britischen Yachtclub in Berlin ein Bootsbauer – der zufällig die Bombe fand, die eigentlich nur Sachschaden anrichten sollte. Baumann, der an der Bombe mitgebaut hatte, löste sich daraufhin von der „Bewegung 2. Juni“ und tauchte ab. An der Entführung des CDU-Politikers Peter Lorenz war Baumann, der über viele Jahre schwer drogenabhängig war, war nicht mehr beteiligt. Vielmehr appellierte er schon 1974 in einem Interview unter dem Titel „Freunde, schmeißt die Knarre weg“ an seine „Genossen“, den bewaffneten Kampf zu beenden.

Er führte ein Leben voller Wendungen: "Bommi" Baumann.
Er führte ein Leben voller Wendungen: "Bommi" Baumann.Foto: dpa

Nach sechsjähriger Flucht durch verschiedene Länder wurde er 1981 in London gefasst und saß wegen Bankraubes und der Sprengstoffanschläge fünf Jahre in Haft. Noch auf der Flucht schrieb er das Buch „Wie alles anfing“ und rechnete dabei mit der „Bewegung 2. Juni“ und ihrem Irrweg ab. Zehn Jahre nach dem Ende der DDR wurde bekannt, dass Baumann für die Staatssicherheit ein Dossier über die Mitglieder von RAF und „Bewegung 2. Juni“ gefertigt hatte, nachdem er auf der Flucht in der DDR verhaftet worden war. Baumann lebte zuletzt in Berlin und betätigte sich als Publizist und Vortragender, vor allem zu den Themen Terrorismus und Drogen.

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