Zum Tod von Peter Glückstein : Einer für die ganz großen Sachen

Peter Glückstein war Gastronom, Goya-Gründer und dachte gerne groß: Die traurige Geschichte vom Charismatiker, der meist den Takt vorgab.

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Peter Glückstein hinter den Turntables bei der Eröffnung des „Goya“.
Peter Glückstein hinter den Turntables bei der Eröffnung des „Goya“.Foto: Kaelene/dpa

Berlin - Er war einer, der im Mittelpunkt stand, ganz gleich, was er machte. Und dann noch der Name! Peter Glückstein war einer für die ganz großen Sachen, das sagten alle, als seine „Bar am Lützowplatz“ erst einmal am Laufen war, damals in den Achtzigern. Sie war neu für Berlin, eine Cocktailbar, die nicht einsamen Wölfen hinter verschlossener Tür beim Abfüllen hilfreich war, sondern als kommunikativer Ort mit Musik gedacht war, ein Treffpunkt für extrovertierte West-Berliner und ihre Gäste.

Glückstein, der sich jetzt das Leben genommen hat, war zeitlebens ein Macher, der Mitmacher magisch anzog. „Konzepte für Gastronomie und Musik sind meine erste Heimat“, hatte er einmal in einem Interview gesagt, und dabei fand er zahlreiche Weggefährten. Einer davon war David Monnie, einst Barchef am Lützowplatz, zuletzt zusammen mit Glückstein Geschäftsführer im „Schwein“, der brandneuen Weinbar in Prenzlauer Berg.

Zwischen dieser unerwarteten Neueröffnung und Glücksteins großem Absturz lagen fast zehn Jahre, in denen er in der Versenkung verschwunden zu sein schien – nur 2014 trat er als Mitherausgeber eines Buchs mit Geschichten von Fußballfans kurz in Erscheinung. Der Absturz war das „Goya“, der Versuch, aus dem heruntergekommenen Metropol am Nollendorfplatz eine Großdiskothek zu machen, eine Sache im Londoner oder New Yorker Maßstab, Abtanztempel für die Metropolenbürger. Die Geldgeber folgten ihm begeistert. Sie wurden Aktionäre, geködert mit dem Versprechen auf lebenslange Vorzugsbehandlung – doch als der Club dann 2005 öffnete, wurde allen klar, dass das so nicht ging, und ein halbes Jahr später war auch allen klar, dass Nachbesserungen nicht halfen und das Geld weg war. Die Insolvenz des großspurigen Projekts katapultierte ihn aus der Gesellschaft, die ihn vorher auf Händen getragen hatte, eine literaturreife Tragödie. 2012 ging auch die Bar am Lützowplatz in die Insolvenz.

Vorher, um die Jahrtausendwende, hatte Glückstein versucht, in der Gipsstraße in Mitte ein Mittelding zwischen Bar und Restaurant zu etablieren, das „Glückstein“. In der Küche stand Peter Frühsammer, der zuvor sein eigenes Restaurant aufgegeben hatte, doch diese Küche war viel zu klein – die Behörden beendeten das kurze Glück.

Frühsammer, der sein aktuelles Restaurant in Grunewald auf einem Tennisklub-Gelände betreibt, berichtet auch, dass Glückstein dort bis zuletzt gespielt habe. Als es um die Gründung des „Schwein“ ging, fragte er den Kollegen um Rat: eine Bar nur mit Longdrinks sollte es sein. Unsinn, sagte Frühsammer, da wollen die Leute auch was essen. So geschah es. Das „Schwein“ kam als Restaurant zur Welt und gewann rasch einen guten Ruf für seine Küche.

Peter Glückstein wurde 64 Jahre alt.

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