Berlin : Zum Zehnten

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„Auf so’nem Straßenfest waren wir doch schonmal“, sagt ein Knirps zu seinem Vater. „Nee“, antwortet der Papa, „auf so einem bestimmt noch nicht.“ Die Rede ist vom Lesbisch-Schwulen Stadtfest in Schöneberg. Zum zehnten Mal schon feiern Lesben und Schwule am Wochenende rund um die Motzstraße. Und nicht nur sie: Auch heterosexuelle Besucher sind wie in den letzten Jahren in Scharen gekommen und ließen sich auch nicht vom mittäglichen Regenguss vertreiben. Bis Sonntagabend erwartet der Veranstalter, der „Regenbogenfonds der schwulen Wirte“, 350 000 Besucher. Auf fünf Bühnen wird Rock, Pop, Jazz und Soul geboten. Außerdem informieren eine Vielzahl an Projekten über ihre Arbeit. Und beim BDSM Berlin e.V. kann man den „Perversentest“ machen.

„Ich bin schwul und stolz darauf“, steht in großen Lettern auf dem T-Shirt von Martin Schweig aus Kreuzberg. Frisch gekauft auf dem Fest sei das T-Shirt, sagt der 28-Jährige. Zum vierten Mal ist er gekommen: „Wegen der Stimmung und der Männer,“ erklärt er zwinkernd. Hannah S. ist dagegen auch aus beruflichen Gründen hier: „Ich bin Arbeitsvermittlerin. Und da ich viele Schwule und Lesben in meinem Kundenkreis habe, hole ich mir hier Input für die Arbeit.“ Gerade hat sie sich einen Flyer von „Queer Christ“ in die Tasche gesteckt, einer kürzlich gegründeten christlichen Basisgemeinde von Schwulen, Lesben und Heterosexuellen. Auch den Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse traf man auf einem „privaten Rundgang“.

Obwohl die Stände am Sonnabend schon ab 11 Uhr geöffnet waren – offiziell wurde das Straßenfest erst um 16.15 Uhr durch Verbraucherschutzministerin Renate Künast eröffnet. Ihr grüner Parteifreund und Bundestagsabgeordneten Volker Beck überreichte anschließend dem „Eisenstein des Schwulenfilms“, nämlich Filmemacher Rosa von Praunheim den „Rainbow Award“ für sein Engagement für die Schwulenbewegung.

Einer der Höhepunkte am Sonntag ist die Talkrunde „Das rote Sofa“, auf dem neben der Szene-Größe Gerhard Hoffmann um 15 Uhr der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und der Entertainer Ades Zabel Platz nehmen wollen. vv

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