Berlin : Zum zweiten Mal der Hundertste

Der Botanische Garten feiert zum wiederholten Mal runden Geburtstag – und ist eigentlich 325 Jahre alt

Christian van Lessen

Wie kommt das? Am 13. April des vergangenen Jahres feierte der Botanische Garten in Dahlem mit einem Tag der offenen Tür seinen 100. Geburtstag. Rund 15000 Besucher kamen, einen solchen Andrang gab es noch nie. Am nächsten Sonntag wird zwischen Unter den Eichen und Königin-Luise-Straße wieder Geburtstag gefeiert – wieder der hundertste! Mit einem „Berliner Gartenfest für 100 Cent“. Botaniker im Feierrausch?

Brigitte Zimmer, Sprecherin des Gartens, erklärt, dass sich hier niemand verrechnet hat. Der Tag der offenen Tür vor einem Jahr sei nur der „Einstieg“ ins wahre, nun bevorstehende Jubiläum gewesen. Denn im April 1903 habe sich der Garten seinen Besuchern für einen Tag nur als Baustelle präsentiert. Und überhaupt: Der Botanische Garten sei in Wirklichkeit nicht 100, sondern 325 Jahre alt.

Um das zu verstehen, muss man wissen, dass 1679 auf Anordnung des Großen Kurfürsten auf dem Gelände des heutigen Kleistparks in Schöneberg ein landwirtschaftlicher Mustergarten angelegt wurde, der erst mit den Jahren zu einem Botanischen Garten heranwuchs. Und weil immer mehr Pflanzen immer mehr Platz brauchten – am Kleistpark standen nur 7,5 Hektar zur Verfügung – war ein Umzug unvermeidlich. Das Gelände am Rande Dahlems bot sich als Alternative an, rund sechsmal so groß wie das in Schöneberg. Der Garten, der dort entstand, wurde vor hundert Jahren dauerhaft für Besucher geöffnet.

Inzwischen gehört die Anlage mit ihren rund 22000 Pflanzenarten zu den größten Botanischen Gärten der Welt. Besucher können durch die Botanik rund um den Globus wandern. Aber so ganz ungetrübt ist die Freude am Jubiläum nicht: Die Zeiten mit rosigen Finanzierungsaussichten sind vorbei. In den Schlagzeilen der letzten Monate war oft vom drohenden „Verwelken“ des Gartens die Rede, der zur Freien Universität gehört. Es rostete und knarrte überall in den alten Glashallen. Wegen der öffentlichen Sparzwänge wurde das Budget von 7,8 Millionen Euro um eine Million gekürzt. Gegen eine mögliche Schließung sammelte der Garten im Frühjahr über 100000 Unterschriften. Verstärkt bemüht er sich um Sponsoren, fast 900 Berliner kauften Schirme mit dem Garten-Logo, dürfen sich als „Schirmherren“ des Gartenfestes fühlen. Auch sonst wird die Feier fast nur aus privaten Mitteln finanziert. Die Musiker spielen gratis, Firmen spenden Würstchen oder auch 1000 Flaschen „Jahrgangssekt Botanischer Garten“.

Zwischen Königin-Luise-Straße 6-8 und Unter den Eichen 5-10 stehen aber natürlich Pflanzen im Mittelpunkt. Es gibt zahlreiche Führungen, etwa durch das Große Tropenhaus. Geboten werden auch „pflanzengeografische Expeditionen von Italien nach China“ oder durch den Arzneipflanzengarten und „Anzuchtreviere“ sowie diverse Blicke hinter die Kulissen. So können Besucher erfahren, wie schonend beispielsweise Palmen und Kakteen transportiert werden oder wie Rohre und Gänge unter den Gewächshäusern funktionieren.

Übrigens: So richtig fertig – mit allen Gewächshäusern – wurde der Botanische Garten erst 1910. Das nächste Jubiläum zum 100. ist also in Sicht.

„Berliner Gartenfest“ im Botanischen Garten, mit Bühnenprogramm und Führungen, 13. Juni, 10 bis 20 Uhr, Eintritt 1 Euro.

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