Berlin : Zur Feier des Tages

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VON TAG ZU TAG

Von David Ensikat

So also sieht es aus, wenn die Polizei einen Triumph feiert. Sie ruft die Presse zusammen, wenn es sein muss, auch mal an einem Sonnabendnachmittag. Sie lädt ein in einen kahlen, kleinen Raum des Landeskriminalamtes. Hinten stehen ein paar Tischlein aneinander, darauf liegen: die Kunstschätze, die neun Brücke-Bilder. Wert, wie man hört: 3,6 Millionen Euro. So kann Kulturerbe aussehen: rahmenlos, halb übereinander, die Farben eher blass als leuchtend, die Ränder leinwandbraun-zerfranst, nicht eben erhaben. Polizeilich sichergestelltes Diebesgut eben.

Für die Fotografen hebt eine Dame mittleren Alters mit weißen Handschuhen die Bilder in die Höhe. „Welches ist das teuerste? Halten Sie mal das teuerste hoch!“, ruft ein Fotograf. Die Dame tut es brav, sie guckt auch hoch, als ein Kameramann auf dem Stuhl ruft: „So, jetzt bitte mal hierher, ja?“ Sie gibt auch Antworten: „Wie heißt denn das jetzt?“ – „Herr Schiefler.“ – „Und der Maler?“ – „Herr Nolde.“ Eine Frage von Kollege zu Kollege: „Schiefler, Schiefler. Wer ist denn der? Der Maler? Wer ist dann Herr Nolde?“

Das klärt sich auf. Und die Dame mit den Handschuhen, erfährt man nebenher, ist Bärbel Groth-Schweizer. Sie hat die Ermittlungen geführt. Am anderen Ende des Raumes sitzen ihre Chefs und verkünden den polizeilichen Triumph in die Mikrofone. Später muss noch mal der Polizeipräsidenten zu den Bildern: „Halten Sie den Nolde – äh den Schiefer noch mal hoch, ja?“

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