Berlin : Zur Fußball-WM ist Berlin durchgehend geöffnet

Die Weltmeisterschaft wird zur größten Verkaufsoffensive der Stadt Der Senat will den Ladenschluss aufheben. Der Ku’damm wird Fußgängerzone

Cay Dobberke,Christian van Lessen

Nach dem Erfolg der verkaufsoffenen Sonntage und langen Shoppingnächte kündigt sich nun die größte Berliner Verkaufsoffensive an: Zur Fußball-WM werden die Geschäfte nach Angaben der Sozialverwaltung einen Monat lang fast durchgehend geöffnet sein dürfen, auch sonntags. Einen Beitrag zur verkaufsoffenen Stadt will auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf leisten. Zur WM im nächsten Sommer sollen Teile des Kurfürstendamms und der Tauentzienstraße zur Fußgängerzone werden.

Über die genauen Öffnungszeiten während der Weltmeisterschaft im nächsten Juni und Juli sind nach Auskunft von Roswitha Steinbrenner aus der Sozialverwaltung im Oktober noch letzte Abstimmungen mit der Wirtschaftsbehörde und dem Einzelhandelsverband geplant. Sie könne sich vorstellen, dass die Geschäfte bis Mitternacht geöffnet sein dürften. Auch wenn eventuell 2006 noch das Ladenschlussgesetz des Bundes gelten sollte (der Plan, Ladenschlussregelungen den Ländern zu überlassen, liegt wegen der gescheiterten Föderalismus-Reform auf Eis), könne Berlin im Rahmen seiner Möglichkeiten die WM zu einer „Gesamtausnahme“ erklären. Verkaufsoffen wären dann auch die Sonntage während der Meisterschaft. Nach dem geltenden Gesetz darf werktags von 6 bis 20 Uhr verkauft werden, zusätzlich, bei besonderen Veranstaltungen, an vier Sonntagen jährlich. In diesem Jahr sogar an fünf. Das Land strebt werktags einen Verkauf rund um die Uhr an (Nachtruhe soll gewährleistet sein) und will – abgesehen vom Fußball-Großereignis – insgesamt sechs Sonn- und Feiertage für den Verkauf öffnen. Für die Weltmeisterschaft sieht die federführende Sozialverwaltung eine großzügige Regelung gewährleistet. „Außergewöhnliche Ereignisse erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“, versichert Roswitha Steinbrenner.

Schon Anfang des Jahres hatte Hanns Peter Nerger von der Berlin-Tourismus Marketinggesellschaft (BTM) eine Aussetzung der Ladenschlusszeiten zur Fußball-WM gefordert. Zustimmung kam vom Einzelhandelsverband und von Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS).

Bei der nun auch angekündigten City-Fußgängerzone zur WM geht es nach Auskunft von Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) um den Bereich zwischen Joachimstaler und Nürnberger Straße. Die Fraktionen der CDU und SPD im Bezirk hatten gefordert, ein WM-Programm auf dem Breitscheidplatz zu organisieren. „Nur auf dem Platz allein macht das aber keinen Sinn“, sagte Thiemen. Unter Geschäftsleuten stößt die Idee jedoch auf Protest. So fürchtet Centermanager Klaus Gennrich vom Stilwerk in der Kantstraße, das Einrichtungshaus werde vom Verkehr „abgeschnitten“. Bezirkschefin Thiemen rechnet nicht mit Umsatzverlusten, etwa auch für Ku’damm-Läden: Es sei ohnehin zu erwarten, dass Fußballfans den Verkehr dort während der WM lahm legten.

Unterdessen wird in der City-West die elfte „Lange Nacht des Shoppings“ für Sonnabend, den 29. Oktober, vorbereitet. Mehr als 220 Geschäfte in der Umgebung des Breitscheidplatzes werden bis 24 Uhr öffnen – darunter die Läden im Europa-Center, im Neuen Kranzler-Eck und im Stilwerk sowie das KaDeWe, Niketown, Peek & Cloppenburg und Wertheim. Dazu gibt es vom 26. bis 30. Oktober ein Straßenfest. Im vorigen Frühjahr kamen allein am Sonnabend mehr als 500000 Besucher zur Shoppingparty. Der nächste verkaufsoffene Sonntag ist am 6. November, Anlässe sind unter anderem das Jazz- und das Militärmusikfest.

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