Berlin : Zur großen Eröffnungsfeier der Daimler-City ist Edzard Reuter nicht eingeladen

LOTHAR HEINKE LORENZ MAROLDT

BERLIN .In genau sieben Tagen feiert Daimler-Benz am Potsdamer Platz ein rauschendes Eröffnungsfest.Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht geht es rund: Das Orchester der Komischen Oper spielt, Helen Schneider und die Prinzen singen, Eberhard Diepgen und Daimler-Chef Jürgen Schrempp sprechen, es wird getanzt, geklettert, getrunken und gegessen, und am Ende knallt ein riesengroßes buntes Feuerwerk in den Himmel über Berlin.3945 Ehrengäste hat Daimler eingeladen, einer aber fehlt: Edzard Reuter, früherer Vorstandschef, Ehrenbürger Berlins und gewissermaßen der Erfinder der "Daimler-City".Noch vor dem Mauerfall hatte er den Kauf des Grundstücks in die Wege geleitet.Heute ist er hier offenbar nicht mehr willkommen: Nach Tagesspiegel-Informationen steht Reuter nicht auf der Gästeliste, eine Einladung an ihn gibt es nicht.Weder in der Stuttgarter Konzernzentrale noch in der Berliner Dependance war jemand bereit, sich dazu zu äußern.

Das Verhältnis zwischen dem früheren Konzernchef und dem heutigen Vorstand gilt spätestens seit der Veröffentlichung von Reuters Buch "Schein und Wirklichkeit" als zerrüttet.Ob Reuter deswegen nicht eingeladen wurde, war am Donnerstag nicht zu klären.Als Daimler-Chef hatte Reuter bereits im Frühjahr 1989, als vom Fall der Mauer nichts zu ahnen war, Verhandlungen mit dem Senat über einen Kauf der damaligen Stadtrand-Brache aufgenommen.Ein Glücksgriff für den Konzern, wie sich schon wenige Monate später zeigte.Die Platz gilt heute als eine der berühmtesten Baustellen der Welt und hat Daimler Benz große Publizität verschafft.

Die Eröffnungsparty heißt "Vorhang auf!" und beginnt am 2.Oktober um elf Uhr, nachdem Bundespräsident Herzog auf dem Marlene-Dietrich-Platz eingetroffen ist.Zur "Einweihungsfeier" haben sich bis gestern 900 Journalisten akkreditieren lassen.3945 geladene Gäste hören zu Beginn das Orchester der Komischen Oper mit dem 1.Satz aus Felix Mendelssohn Bartholdys Italienischer Sinfonie als Hommage an den Chefarchitekten Renzo Piano.Zur Festversammlung sprechen Manfred Gentz, Vorstandsmitglied der Daimler-Benz AG, Renzo Piano, der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und Daimler-Vorstandssprecher Jürgen E.Schrempp.Zwischen den Reden lesen Marianne Hoppe ein Gedicht von Sarah Kirsch, Friedrich v.Thun einen Text von Walther Rathenau und Anna Thalbach Theodor Fontane - allesamt kurze Stücke mit Bezügen zum Potsdamer Platz.

Als Illustration des Mottos "Vorhang auf ..." befreien im Verlauf des weiteren Programms 70 Bergsteiger die Fassaden der Neubauten auf dem Daimler-Areal von den "Hanging Pictures", jenen 22 bis zu 1200 Quadratmeter großen Riesenfotos von Geschehnissen der jüngsten Potsdamer-Platz-Geschichte.Es folgt ein erster Rundgang durch die Einkaufsstraße mit 110 Geschäften und 30 Restaurants, Bars und Cafés, vorbei am Musical-Theater, dem Imax-Kino und der neuen Spielbank.Nach dem Masterplan von Renzo Piano schuf ein internationales Architektenteam 19 Gebäude, zehn neue Straßen, eine zentrale Piazza, alles umgeben von einer rund 12 000 Quadratmeter großen Wasserfläche.

Über 70 Prozent des Areals sind vermietet oder verkauft, die Vermietung der 600 Wohnungen beginnt erst nach dem 2.Oktober - bis auf eine Eigentumswohnung, deren Besitzer bereits trotz des ihn umgebenden Baulärms eingezogen ist.Der neue oberirdische U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park wird als Station der U 2 zwischen Potsdamer Platz und Gleisdreieck eröffnet.Ab 14 Uhr ist das Gelände, für das Daimler Benz rund vier Milliarden Mark investierte und bei dem die beiden Bürogebäude an der Nordspitze noch im Bau sind, für jedermann zugänglich.

"Licht an am Potsdamer Platz" ist das Motto einer öffentlichen Veranstaltung am Abend.Ab 20 Uhr 45 singen und spielen am Marlene-Dietrich-Platz Gianna Nannini, Midge Ure, Helen Schneider und Die Prinzen.Nach einer 25minütigen Licht-, Laser- und Feuerwerksschau ab 21 Uhr 49 zählen die Zuschauer von Zehn rückwärts bis Null, dann heißt es: "Licht an am Potsdamer Platz!".Sämtliche Lichtquellen samt bunter Leuchtreklamen strahlen über Daimler-City.

Über 4500 Bauleute, Handwerker, Inneneinrichter, aber auch schon zahlreiche Beschäftigte, die ab 2.Oktober hier ihren Arbeitsplatz haben, bestimmten auch gestern das Bild.Lieferfahrzeuge und Möbelwagen umkurvten Bauarbeiter, vor dem Spielcasino wurden Roulette-Tische abgeladen und ins Innere der großen "Spielhölle" gebracht.Die Läden sind größtenteils ausgebaut und werden eingerichtet, auch das Weinhaus Huth, das einst einsam auf dem Gelände stand, präsentiert sich neu - mit Restaurant und Weinhandlung, wie einst.

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