Berlin : Zurück auf die Überholspur

Pro & Contra: Soll es auf der Avus wieder Autorennen geben?

Katja Füchsel

Der Raketenwagen, mit dem Fritz von Opel 1921 donnernd durch das Ziel schoss, die Silberpfeile, die bereits 1937 rund 380 Stundenkilometer schafften – sie alle stünden bei einem Oldtimer-Rennen auf der Avus mit am Start. Jedenfalls, wenn es nach dem Willen der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus geht. „Verkehrssenator Strieder sollte den Weg für eine Wiederbelebung der Avus für den Rennsport freimachen“, fordert Klaus-Peter von Lüdicke. Ein Oldtimer-Rennen würde „hunderttausende Liebhaber“ aus der ganzen Welt anziehen.

Im Mai 1999 ging in Berlin eine 78-jährige Tradition zu Ende: Mit einer nostalgischen Rennauto-Show wurde der Motorsport von Deutschlands ältester Rennstrecke verbannt. Es waren die 30er Jahre, in denen die Avus zur schnellsten Rennstrecke der Welt avancierte, lange gehörte das Avus-Rennen zu Berlin wie das Sechstagerennen.

Und von diesen Zeiten träumt von Lüdicke offenbar, wenn er ankündigt, in Sachen Avus-Rennen eine „parlamentarische Offensive“ starten zu wollen. Im Abgeordnetenhaus allerdings steht die FDP mit ihrem Enthusiasmus alleine da. „Von vorgestern“, nennt Alexander Kaczmarek, CDU-Verkehrsexperte, die Idee. „Völlig unsinnig“, sagt Jutta Matuschek von der PDS. „Das Letzte“, schimpft Michael Cramer (Grüne). Die Rennen auf der Avus seien „unverantwortlich“ gewesen, in der Innenstadt habe das Heulen der Motoren nichts verloren.

Die Avus wurde damals mehrfach verkürzt, um sie als Rennstrecke sicherer zu machen. Bei einem Rennen kam der Brite Keith Odor 1995 trotzdem ums Leben. Seither riss die Diskussion um eine endgültige Stilllegung der Rennpiste nicht mehr ab. 1998 wurde auf der Avus der letzte Wettbewerb veranstaltet, auch, weil man den Anwohnern Lärm und Abgase nicht mehr zumuten wollte. „Zudem hat jede Sperrung zu einem Verkehrschaos geführt“, sagt Kaczmarek. Mehr als 80 000 Fahrzeuge passieren täglich die südwestliche Ausfallstraße zum Berliner Ring. Die FDP setzt sich jetzt für eine abgespeckte Version der Avus-Rennen ein: Nur einmal im Jahr allerdings, an einem Wochenende im Frühjahr, soll ein Oldtimer-Rennen stattfinden. Dann könnten Gastgewerbe und Hotellerie von dem Besucheransturm profitieren, sagt Klaus-Peter von Lüdicke.

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