Berlin : Zurück aus der Zukunft: Das T-Com-Haus wird abgebaut

Hightech-Heim wird verkauft, das Inventar für einen guten Zweck versteigert

Stefan Jacobs

In wenigen Tagen ist die Zukunft des Wohnens schon wieder vorbei. Am morgigen Mittwochabend steigt die Abschlussparty für geladene Gäste. Dann wird das laut Werbung „intelligenteste Haus der Welt“ abgeris… pardon: rückgebaut. Und zwar ganz vorsichtig, denn es wird noch gebraucht.

Begonnen hatte die „Zukunft des Wohnens“ vor eineinhalb Jahren – mit staunenden Passanten und täglichen Beinahe-Unfällen auf der Leipziger Straße, weil die auf Speckgürtelmoderne getrimmte Villa in Sichtweite des Potsdamer Platzes so überraschend auftauchte wie ein Heizpilz in der Sahara.

Viele rüttelten vergeblich am zunächst verschlossenen Tor, das später an Freitagen fürs Publikum geöffnet wurde. Und noch mehr wollten selbst erleben, was drinsteckt in dem Haus hinter Plexiglaszaun und Rollrasen. Mehr als 80 000 Menschen haben sich nach Angaben der Telekom um ein Probewohnen in dem Hightech-Heim beworben. 18 000 durften rein; teils stundenweise, teils für drei Nächte. Letzteres war für beide Seiten ein Gewinn: Die Auserwählten – großenteils Touristen – hatten gratis eine Bleibe in bester Citylage, in der sie mit gefülltem Kühlschrank begrüßt wurden. Und die Telekom bekam die Marktforschung, die sie wollte. Wie viel Technik verträgt der Mensch, und wie mag er sie am liebsten? Das etwa war die Frage, die sich den Besuchern buchstäblich in allen Ecken stellte, beginnend mit der Videoanlage an der Eingangstür. Statt einer klassischen Klingel gab es Kamera und Mikrofon, so dass Besucher jedem Bewohner Nachrichten hinterlassen konnten. Am anderen Ende der Leitung, im Flur, konnten die Bewohner dann nicht nur die verpassten Besucher sehen, sondern sich auch gegenseitig Nachrichten hinterlassen. Etwa so: Sohn an Mutter: „Bin mit Niklas auf der Fanmeile, nicht vor Mitternacht zurück!“ Wenn die Mutter dann erst einmal Beruhigung brauchte, konnte sie sich auf ihrem persönlichen Taschencomputer das „Stimmungsmanagement“ aufrufen und das Wohnzimmer in Sphärenklänge und beruhigendes Blau tauchen. Oder auf dem Laufband vor einem Flachbildschirm durchs virtuelle Berlin joggen. Oder sich per Internet ein Video ins Haus holen. Oder einen Ausflug machen – die Abfahrtszeiten von Bus und Bahn standen auf einem Monitor im Flur.

Diese Info-Technik mit der Aufzeichnungsmöglichkeit für persönliche Nachrichten sei besonders gut angekommen, sagt Projektleiter Carsten Schindler. Auch der schnelle Zugriff auf Filme, Bilder und Musik übers Internet habe gefallen – und sei ja inzwischen auch zu kaufen. Ebenso gefragt sei die von unterwegs abrufbare Überwachungstechnik gewesen, sagt Schindler und verweist auf Ereignisse wie das Unwetter vom Wochenende, nach denen ein Blick aus dem Urlaubsquartier in die heimische Wohnstube sehr beruhigend sein könne. An manchen Stellen wurde bei laufendem Betrieb nachgebessert: So bekam das Haus etwa eine ganz profane Uhr.

Viele Prominente waren zu Gast und haben Mitbringsel hinterlassen, die jetzt zu Gunsten des Kinder- und Jugendhauses St. Josef der Caritas in Neukölln bei Ebay versteigert werden. Die Auktion läuft bis Donnerstag 13 Uhr. Zu dieser Zeit werden die letzten Promis – Benno Fürmann, Alexandra Neldel, Axel Schulz und andere – das Haus verlassen haben. Dann kommen die Bauleute, um das Haus vorsichtig in seine Teile zu zerlegen. Hersteller Weber-Haus will es für rund eine halbe Million Euro weiterverkaufen, mit allem Drum und Dran. Nur die Kommunikationstechnik und die Solaranlage werden nicht angeboten. So kommt das Haus der Zukunft in der Gegenwart an.

Infos und Link zur Online-Auktion:

www.t-com-haus.de

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