Berlin : Zurück im Trabi-Land

Wir saßen am Abend des 9. November in einem Café in der Stresemannstraße. Mein Mann und ich waren ausgereist und gerade 14 Tage in West-Berlin. Als wir hörten, an der Mauer sei was los, sind wir hin. Aber da war nur ein kleines Häufchen von Leuten, die Sekt getrunken haben. Es hieß, auf der anderen Seite sei nichts los. Am nächsten Tag haben wir es dann im Radio gehört. Wir sind schnell zurück in den Osten und haben unsere Freunde getroffen. Als wir durch die Straßen gingen, hat meine Tochter gesagt: „Oh, jetzt sind wir wieder im Trabi-Land!“ Es war schon eine tolle Stimmung. Aber schnell waren alle nur noch materiell orientiert. Uns wurde Berlin zu stressig, wir wanderten 1992 nach Dänemark aus. Aber meine Tochter lebt seit drei Jahren wieder in Prenzlauer Berg, ganz in der Nähe unserer alten Wohnung.

ANNETTE LÜTZKENDORF (44)

Deutschlehrerin

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