Berlin : Zurück in der Zukunft

Die Videothek „Filmkunst Berlin“ hat verkleinert wiedereröffnet – nur die 451 fehlt.

Eve Catherine Trieba

Nicht nur der Standort ist neu – auch die 451 ist verschwunden. Die Videothek heißt nun einfach „Filmgalerie Berlin“ – und ist umgezogen in die Invalidenstraße. Hier haben die 23 000 Titel auf nur noch 70 Quadratmetern Platz gefunden. Eine ziemliche Herausforderung für Inhaber Silvio Neubauer. Lange hat der Filmliebhaber nach einem neuen Standort gesucht, als klar war, dass es nicht weitergehen würde in der Torstraße 231. Hier hatte er seit Beginn des Jahrtausends eine bei Filmfans äußerst beliebte Adresse aufgebaut – vor allem wegen der unerschöpflichen Auswahl. Doch auch der Standort in einem stuckgeschmückten Altbau auf rund 300 Quadratmetern sprach das Mitte-Publikum an.

Doch wie berichtet, war im Herbst 2013 Schluss, weil die Miete nach der Sanierung für ihn nicht mehr bezahlbar war. Im Kiez etwas zu finden, war schwierig: „Wir haben monatelang gesucht“, sagt Neubauer. „Entweder die Miete war viel zu hoch, oder wir passten nicht in die Vorstellung. Schon dass wir bis Mitternacht geöffnet haben, störte viele Vermieter.“

Durch einen Zufall fand er kurz vorm Auszug die neuen Räumlichkeiten in der Invalidenstraße 148. Den Kiez zu verlassen, wäre für ihn nicht infrage gekommen. „Wir hätten unsere gesamte Stammkundschaft verloren und noch einmal bei null anfangen müssen – für eine Videothek wie uns heutzutage fast ausgeschlossen“, sagt Neubauer. Dass er nun viel weniger Platz hat, stört den Mann mit dem auffälligen Schnauzbart nicht. Er sieht darin sogar einen Vorteil: „Die einzige Chance für Läden wie uns ist es, die Fläche so klein wie möglich zu halten“, sagt Neubauer. „Schafft man es, aus relativ wenig Platz das Maximum herauszuholen, dann kann man dem Preisdruck standhalten.“

Trotz der deutlich geringeren Größe stellen er und sein Team noch immer 40 Prozent aller Titel aus. An einem Info-Terminal in gemütlicher Sitzecke können die Kunden im gesamten Bestand stöbern. Auch seine alte Regiewand – in der rund 150 Regisseure mit ihren Werken vertreten sind – hat hier Platz gefunden. Ohne sie, sagt Neubauer, hätte er nie umziehen können. Eve Catherine Trieba

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