Berlin : Zurück in die Steinzeit

Ariane Bemmer

Wer in den nächsten vier Wochen dem Fußball entkommen will, muss Orte finden, die auf dem Zivilisationsstand der Steinzeit sind: Orte ohne Strom. Kein Strom, kein Fernseher, kein Fußball.

So ein Ort ist zum Beispiel der Kiezgarten in Lichtenberg, ein mietbarer Schrebergarten. 1050 Quadratmeter Rasen, Sträucher, Bäume mit festen Stühlen, drei Tischen und Grillplatz, außerdem: ein Buddelkasten, eine Tischtennisplatte, ein Dixi-Klo und eine Boulebahn, ein Gerätehäuschen und eine überdachte Fläche, falls es regnen sollte. Klingt das nicht toll? Man reist an mit vielen Freunden, noch mehr Würstchen, Federballspiel und vielleicht einem Buch im Gepäck und verbringt in einem gemächlichen ruhigen Garten einen Tag, fast so, als wäre man rausgefahren ins Grüne – ist man aber nicht, und falls man entdeckt, dass der Ketchup ranzig geworden ist, läuft man schnell zum nahen Extra-Markt und kauft eine neue Flasche.

Dieser Kiezgarten liegt im Weitlingkiez (dem berüchtigten) am Münsterlandplatz, eingefasst von einer Kirche und vom Altbauhaus der Stadtbildagentur, die auch die Vermietung übernimmt. Die Preise sind dem eher sozial schwachen Umfeld angepasst: vier Euro pro Tag, 20 Euro Kaution für den Schlüssel.

Noch ist der Kiezgarten an folgenden Terminen frei: 12., 13., 14., 19., 20., 26., 27. Juni und 4., 5., 6., 9. Juli (Endspiel-Irrsinn, ein Land im Ausnahmezustand, Stadiontröten, besoffene Fans, oje!) Das könnte sich aber zwischen Texterstellung und Drucklegung auch schon geändert haben. Die Telefonnummer der Stadtbildagentur lautet: 547 18 79-0.

Wenn Sie selber einen guten Ort kennen, an dem man sich vom WM-Wahn ganz ungestört erholen kann, schreiben Sie uns bitte: Der Tagesspiegel, Stichwort „Fußballfreie Zone“, 10876 Berlin oder mailen Sie an fussballfrei@tagesspiegel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar