Berlin : Zurück zu den Wurzeln: Michael J. Wewerka ist wieder Galerist

Am Freitag eröffnet der bekannte Ausstellungsmacher und Kunstmarkt-Betreiber neue Räume im Charlottenburger Stilwerk

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„Eigentlich wollte ich ja aufhören“, sagt Michael J. Wewerka, der gerade die Eröffnung seiner Galerie im DesignStilwerk an der Kantstraße am Freitag um 18 Uhr vorbereitet. Nach drei Jahrzehnten als Galerist hatte er 2003 seine damaligen Räume an der Budapester Straße aufgegeben. Doch die Kunstszene lässt den 69-Jährigen nicht los: „Gestern und heute“ heißt die Ausstellung, mit der er seinen Einstand im Stilwerk gibt.

Zu sehen ist eine Auswahl der Werke, die Wewerka in seinen ehemaligen Galerien an wechselnden Orten in Berlin und Hannover schon einmal präsentiert hat. Prominente Künstler wie Guillaume Bijl, Guy van Bossche, Kazuo Katase, Tobias Lehner, Koichi Ono, Bernd Schwarting und Wolf Vostell sind in dieser Retrospektive vertreten.

Wewerka ist einer der bekanntesten Berliner Galeristen, hat aber noch ein weiteres berufliches Standbein: Vor fast 35 Jahren gründete er an der Straße des 17. Juni den größten Floh- und Kunstmarkt der Stadt. Nebenbei schrieb Wewerka auch zwei Gedichtbände, weil ihn „das Interdisziplinäre fasziniert“.

Bei seinen Ausstellungen legte er sich nie auf eine Kunstrichtung fest. Das Spektrum reichte von Malerei, Konzeptkunst, Performance und Videos bis zu Wolf Vostells „Fluxus“-Kunst. Mit dem 1998 verstorbenen Vostell war Werwerka auch eng befreundet. Er bot dem Künstler zum Beispiel 1983 die Gelegenheit, ein Klavier mit Presslufthammer, Milch und flüssigem Beton zu traktieren. Zwei ehemalige Mitarbeiter Wewerkas, Michael Schultz und Barbara Weiss, sind heute selbst als Galeristen bekannt.

Dass es die neuen Ausstellungsräume im Stilwerk gibt, ist auch Wewerkas Frau zu verdanken: „Sie kauft viel hier ein“, sagt der Galerist. Er begleitete sie oft in das Center – und fand Gefallen an dem Konzept, verschiedene moderne Einrichtungsgeschäfte unter einem Dach zu vereinen. Als sich Wewerka schließlich nach freien Räumen erkundigte, hatte er Glück: Die Galerie „Quicksilver“ des Kulturbüros City-West musste gerade ihren Standort räumen, weil der Bezirk dafür keine Fördermittel mehr zahlte. CD

M. J. Wewerka Galerie im Stilwerk, Kantstraße 17 in Charlottenburg. Öffnungszeiten (ab Freitag): Mo. bis Fr. 10-20 Uhr, Sa. 10- 16 Uhr. Telefon: 315 15 420. Internet: www.wewerkagalerie.de

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