Berlin : Zurück zum guten Image

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Pankow. Die Kultur-Brauerei an der Schönhauser Allee möchte mit einem Kultursommer endlich wieder in die positiven Schlagzeilen kommen. Dazu haben sich der Vermieter Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) und die Mieter, wie Großkino, Soda-Club und Kulturbrauerei GmbH, auf ein gemeinsames Konzept für das Standortmarketing geeinigt. Das heißt: Veranstaltungen werden abgestimmt, die Hofflächen der ehemaligen Brauerei sollen gemeinsam bespielt werden und schließlich soll es auch einen gemeinsamen Internetauftritt unter dem n „Kulturbrauerei" geben. Erster Akt der neuen Zusammenarbeit: Am Donnerstag werden die großen Veranstalter auf dem Gelände gemeinsam mit der TLG ihr Programm für Sommer und Herbst 2002 vorstellen: Dazu gehören nach Tagesspiegel-Informationen von Juni bis August ein Kinofestival, Lesungen, ein Open-Air-Klassikfestival sowie eine Party zur Love-Parade (siehe Kasten).

Durch die Insolvenz eines der Mieter, der Kulturbrauerei GmbH, wäre das ganze Konzept, an dem seit fünf Jahren gebastelt wird, in letzter Minute doch noch fast gescheitert. Denn viele der geplanten Veranstaltungen sollten durch die GmbH getragen werden. Wie berichtet, musste deren Geschäftsführer, Thomas Wohlfahrt, am 6. Mai Insolvenz anmelden – 152 000 Euro Schulden hat das soziokulturelle Projekt angehäuft. In letzter Minute sprang die TLG ein, um das Programm zu retten. Man gewährte zinslose Kredite, die zum Beispiel dem La-Piazza-Festival zugute kamen und dem Poetry-Festival. Rückzahlbar nur dann, wenn die Veranstalter Gewinn machen sollten.

Die finanzielle Schieflage der Kulturbrauerei GmbH droht auch den kommerziellen Mietern auf dem ehemaligen Industriegelände das Geschäft zu vermiesen. „Jede schlechte Schlagzeile lässt unsere Besucherzahlen vorübergehend um die Hälfte absacken“, klagt Frank Isenthal, einer der Geschäftsführer des Soda-Clubs. Die Gäste hörten nur: Kulturbrauerei in Schwierigkeiten und denken, das gelte für alle Mieter. Dabei gibt es doch eine einfache, aber eben unbemerkten Unterschied. Die Kulturbrauerei mit kleinem „B“ ist das unter anderen vom Senat alimentierte soziokulturelle Projekt, die Kultur-Brauerei mit großem „B“ ist das gesamte, von der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) vermietete Gelände.

Klaus Adams, der von der TLG bestellte Immobilien-Manager, möchte mit diesem Namenswirrwarr aufräumen – er will den Namen „Kulturbrauerei“ als exklusive Marke für das gesamte Gelände. Die Rechte daran hält aber der Kulturbrauerei-Verein, einer der Gesellschafter der GmbH. Mitte der 90er Jahre kaufte die TLG ein Mitbenutzungsrecht, um das positive Image der Kulturbrauerei für die Immobilie zu nutzen. 100 000 Mark soll die Treuhand damals dafür bezahlt haben. Ob der Verein jetzt einem Verkauf zustimmen wird, ist ungewiss.

Die Kulturbrauerei GmbH, die derzeit mit dem Senat um eine Aufstockung der jährlichen Unterstützung von 275 000 Euro verhandelt, hat nach Insider-Meinung noch weiteres ungenutztes Potenzial. So könne man mit dem Kesselhaus leicht 13 000 Euro Miete erwirtschaften – Dag Zippel, der letzte Pächter konnte nicht einmal die auf 7500 Euro reduzierte Pacht zahlen. Tatsächlich ist das Kesselhaus inzwischen ein begehrter Veranstaltungsort. Ständig gebe es Nachfragen von Investoren, die das Haus gern übernehmen würden, heißt es von der TLG. Doch eine Zerschlagung der GmbH ist unwahrscheinlich, weil die Senatskulturverwaltung an dem Projekt festhält. Ingo Bach

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