Berlin : Zurück zum Winter

Stephan Wiehler

Das Traumwetter vom Wochenende gab uns mitten im Winter einen Vorgeschmack auf den Frühling. Rekordtemperaturen von bis zu 17,3 Grad - gemessen am Sonnabend an der Spandauer Wetterstation Eiskeller - hielten kaum jemanden in der Stube. Auch am Sonntag wurde es bei strahlendem Sonnenschein noch einmal bis zu 17 Grad warm, schönste Voraussetzungen für das erste Frühstück im Freien, das erste Eis, die erste Sonntagszeitung im Park. So warm war es um diese Jahreszeit in der Region zuletzt am 10. Februar 1893. Damals wurden an der Wetterstation Potsdam 17,8 Grad gemessen.

Mit der mediterranen Lebensfreude im warmen Luftstrom, den das Hochdruckgebiet Carlos in Osteuropa und das Orkantief Miriam über dem Atlantik in ihrer Mitte aus dem Süden zu uns heranführten, ist es jetzt allerdings vorbei. In den kommenden Tagen soll es bei wechselhaftem Wetter mit zeitweiligem Regen wieder abkühlen, bis Donnerstag auf rund sechs Grad.

Ein Glück für die Natur, sagt Hartmut Balder, einer von denen, die sich über den vorzeitigen Frühlingseinbruch nicht recht freuen konnten. Der stellvertretende Leiter des Pflanzenschutzamtes fürchtet, dass der plötzliche Wärmeeinbruch ein schlimmes Nachspiel haben könnte. "Für die Natur hat der Wecker viel zu früh geklingelt."

Mit weitreichenden Folgen für Pflanzen und Tiere. "Es wird sicher noch einmal frieren, und für die Knospen, die jetzt in der Wärme sprießen, reicht geringer Frost, um sie zu zerstören", erklärt Balder. Schon jetzt seien die jungen Triebe durch Schädlinge bedroht, die durch die ungewöhnlich hohen Temperaturen ebenfalls früher in Gärten und Wäldern ausschwärmen.

Auch für Baumschulen und Landschaftsgärtner fürchtet Hartmut Balder erhebliche Probleme. "Die ganze Pflanzzeit fällt aus, weil sich die Triebruhe verkürzt hat. Was sonst fünf Wochen dauert, spielt sich jetzt in wenigen Tagen ab."

Heimgärtnern empfiehlt Balder, Ruhe zu bewahren. "Lieber in den Biergarten gehen als in den Garten", zum Schutz das Laub liegen lassen, verfrühte Knospen "auf keinen Fall schneiden". Der Winter, so viel steht auch für Thomas Deutschländer vom Meteorologischen Institut der FU fest, ist noch nicht zu Ende. "Es hat sich oft gezeigt, dass es nach einem warmen Februarbeginn im März noch einmal richtig knackig kalt wird."

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