• Zurück zur Lebensfreude Prominente Frauen wollen das Thema Brustkrebs aus der Tabuzone holen – und geben Geld

Berlin : Zurück zur Lebensfreude Prominente Frauen wollen das Thema Brustkrebs aus der Tabuzone holen – und geben Geld

Elisabeth Binder

Wäre sie an der Vogelgrippe erkrankt, hätte sie sich einen Mundschutz geschnappt und wäre gleich hingefahren zur kranken Freundin. Aber Brustkrebs? „Das war für mich immer ein Tabuthema.“ Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel beschreibt den Prozess einer Wandlung. Als die gute Freundin ihr vor wenigen Wochen erzählte, dass sie an Krebs erkrankt ist, war Riekel noch unentschlossen, ob sie wirklich beim Ladies’ Charity Lunch im Restaurant Käfer auf dem Reichstag über das Thema Brustkrebs sprechen soll. Denn das Thema ist vielen Frauen unangenehm, der Gedanke, an Krebs erkranken zu können, wird gern verdrängt. Viele haben Angst davor, was die Krankheit mit dem Aussehen anrichtet, etwa wenn man Haare, Wimpern und Augenbrauen verliert.

Gebannt lauschten mehr als 80 Frauen, darunter Alexandra Oetker, die Moderatorin Eva Herman, Designerin Anna von Griesheim, Honorarkonsulin Ann-Katrin Bauknecht, alle perfekt gestylt, wie es bei einem solchen Anlass üblich ist. Allerdings waren sie auch alle bereit, sich mit einer Situation auseinander zu setzen, in der das Styling plötzlich riesige Probleme bereitet.

Das Mittagessen fand zugunsten der gemeinnützigen Gesellschaft DKMS Life statt, die von großen Unternehmen wie Estée Lauder, Lancaster, L’Oréal und Dior unterstützt wird. In mehr als 155 Kliniken bundesweit bietet die Gesellschaft krebskranken Frauen Seminare an, bei denen sie lernen können, mit den äußeren Folgen einer Chemotherapie umzugehen, also zum Beispiel den Verlust von Brauen und Wimpern zu kaschieren. Am Anfang bekommen die Frauen ein Geschenk, eine Auswahl von verschiedenen Kosmetikprodukten. „Auch das tut dem Selbstwertgefühl gut“, sagte die Geschäftsführerin von DKMS Life, Claudia Rutt. Die Hilfe zu neuem Lebensmut, zu der auch das Training mit Perücken und Kopftüchern gehört, kommt für die betroffenen Frauen in einer schweren Lebenskrise, in der sie Aufmunterung dringend brauchen. Die Nachfrage nach den Seminaren wächst ständig, deshalb werden neue Sponsoren benötigt.

Patricia Riekel ist inzwischen fest entschlossen, das Thema, das ihr selber so lange unbehaglich war, publizistisch stärker zu enttabuisieren. Die Fakten dazu lieferte sie noch vor dem Hors d’ oeuvre in die konzentriert lauschende Runde: Alle zwei Minuten erhält nach einer neuen Untersuchung in der EU eine Frau die Diagnose Krebs. Und alle sechs Minuten stirbt eine Frau an Krebs. Diese Zahl ließe sich verringern, wenn mehr zu Vorsorgeuntersuchungen gehen würden.

Mit der Lebensfreude-Kampagne lässt sich vielleicht auch die Angst davor verringern. Weltweit helfen immer mehr Frauen mit, das Thema aus der Tabuzone herauszuholen, darunter die Pop-Stars Kylie Minogue und Anastacia, die ihr eigenes Krebsleiden öffentlich machten.

Mehr zum Thema im Internet unter

www.dkms-life.de

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