Berlin : Zurückhaltend und verunsichert:Viele Kunden meiden Rindfleisch

Gesundheitsverwaltung äußert keine Bedenken / Burger King bietet VegetarischesVON D.KRAMPITZ UND S.KNEIST
Berlin.Nach den dubiosen Vorfällen um das BSE-Rind Cindy/Rita sind die Berliner Verbraucher zurückhaltend beim Kauf von Rindfleisch geworden.Als "schon recht traurig" beurteilt der Obermeister der Berliner Fleischerinnung, Uwe Bünger, die Situation.Beziffern könne man den Verkaufsrückgang bisher allerdings noch nicht.Im Januar werde erfahrungsgemäß ohnehin immer relativ schlecht verkauft.Die Berliner Gesundheitsverwaltung will jetzt durch eine Umfrage bei den bezirklichen Veterinärmtern bis zum 10.Februar klären, ob auch die Berliner Rinderbestände von dem Bonner Notschlachtungsbeschluß betroffen sind. Nach Angaben der Sprecherin der Gesundheitsverwaltung, Gabriele Lukas, gab es im letzten Jahr in Berlin rund 600 Sonderkontrollen bei Fleischerei- und Schlachtbetrieben.Sie seien allesamt einwandfrei gewesen.Auch liege eine Selbstverpflichtungserklärung des Berliner Fleischerhandwerkes vor, kein Fleisch aus der Schweiz oder aus England zu verarbeiten.Im Prinzip spreche nichts gegen den Verzehr von Rindfleisch, "ausgehend davon, daß alles mit rechten Dingen zugeht", sagte Lukas.Auch nach Ansicht des CMA-Sprechers Teja Schöps ist man mit deutschem Rindfleisch weiter gut beraten, auch wenn man sich nicht gegen kriminelle Einzelfälle schützen könne.Er schlägt eine Ausweitung des in Deutschland üblichen Tierpasses auf Europa vor, um die Markteinbrüche - der Kilopreis sank um bis zu 20 Pfennig - aufzuheben. Die meisten der insgesamt 147 Berliner Innungsfleischereien beziehen ihre Tiere von Höfen aus Brandenburg.Dort werden sie zumeist direkt bei kleineren Schlachtereien verarbeitet.Die Fleischerinnung plant noch keine Maßnahmen, um den Rindfleischverkauf anzukurbeln."Wir haben in der Vergangenheit viel getan an vertrauensbildenden Maßnahme", sagt Obermeister Bünger.Durch die Machenschaften um Cindy/Rita würden diese Bemühungen konterkariert.Nach Büngers Angaben sind besonders junge Kunden und ältere Menschen kritisch beim Kauf.Sie weichen gerne, auch beim Aufschnitt, auf Geflügelprodukte oder Schweinefleisch aus.Viele bezirkliche Kitas und private Kinderläden verzichten bereits seit längerem auf Rindfleisch. "Eine große Verunsicherung" bei seinen Kunden kann Robert Niebach, Inhaber einer alternativen Fleischerei in Kreuzberg, beobachten.Seine Kunden seien skeptisch, weil das Höxter-Rind angeblich von einem Bio-Bauern stammte.Aber "nicht jeder, der seine Rinder auf der Wiese hält, ist ein Öko-Bauer", sagt Niebach.Die Supermarktkette Reichelt registriert derzeit eine leichte Verschiebung zu Gunsten von Lammfleisch. Vor rund drei Wochen hat die Fast Food Kette Burger King einen vegetarischen Hamburger eingeführt.Einen direkten Zusammenhang mit dem BSE-Fall habe es nicht gegeben, sagt Petra Reicheneder, die Sprecherin des Unternehmens.Aber der vegetarische Burger laufe gut.Im allgemeinen könne man eine leichte Verschiebung zu Gunsten der rindfleischfreien Produkte beobachten.Einzelne Filialen bieten zu bestimmten Zeiten zwei Rindfleisch-Burger zum Preis von einen an.Ebenfalls eine leichte Umsatzverschiebung zugunsten von Fisch- und Huhn-Produkten hat man bei McDonalds festgestellt. Einen Umsatzrückgang könne man im Moment bei den fünf Berliner Blockhouse-Steak-Restaurants noch nicht beobachten, sagte Sprecherin Christa Kochs.Allerdings würden die Leute seltener, aber dann größere Rindersteaks verzehren.Im letzten Jahr, als der Umsatz um eine zweistellige Prozentzahl zurückging, hatte Blockhouse sein Sortiment um Pute, Lamm und Fisch erweitert.

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