Berlin : Zusammenleben in der Hoffnung

Erste Messe in der EU: Die polnische Gemeinde in St. Capistran

Kristin Bäßler

SONNTAGS UM ZEHN

Es ist kurz nach neun Uhr an diesem Sonntagmorgen. Die Götzstraße in Tempelhof wirkt noch ganz verschlafen. Doch bei der Kirche St. Johannis Capistran, am Ende der Straße, ist schon ein reges Treiben zu bemerken. Denn heute findet hier nicht nur der allsonntägliche Gottesdienst der polnischen Gemeinde statt, sondern auch der erste, seit Polen Teil der Europäischen Union ist. Zu diesem Anlass sind rund 300 junge und alte Gemeindemitglieder erschienen, sowie ein extra aus Krakau angereister Chor, um den heutigen Gottesdienst musikalisch zu untermalen.

Besonders viele ältere Gemeindemitglieder stehen schon vor der Kirche und schauen sich am gegenüberliegenden Kiosk polnische Zeitungen an, die über die Feierlichkeiten des 1. Mai in Polen berichten. Eine 65-jährige Rentnerin aus Breslau, die schon seit 1986 in Berlin lebt, steht dem Beitritt skeptisch gegenüber. Sie bezweifelt noch, dass der Eintritt Polen wirklich eine bessere Zukunft bringt.

Als sich die Gemeinde in der großen hellen Kirche versammelt, läutet der Chor den Gottesdienst ein. Danach beginnt Pastor Jacek Pajewski seine Predigt. Der EU-Beitritt ist kein Thema, er behandelt die Apostelgeschichten des Neuen Testaments, Kapitel 13 und 14. Darin geht es um die Propheten Paulus und Barnabas, die auszogen, um den Ungläubigen das Evangelium zu verkünden. Anfänglich hegten die Heiden Zweifel gegen die Worte der Propheten. Doch nachdem sie die Taten Gottes vernahmen, machte sich bei ihnen Hoffnung breit und immer mehr von ihnen fanden sich zu Glaubensgemeinschaften zusammen. Pfarrer Pajewski wünscht sich, dass auch unter den Gemeindemitgliedern die Hoffnung wächst. Am Ende des Gottesdienstes gab er noch die Bitte der Polnischen Botschaft weiter, dass die Polen ihre Rechte bei der Wahl des Europa-Parlaments wahrnehmen sollten, damit Europa eine gleichberechtigte Gemeinschaft werde.

Auch die Rentnerin wirkt nach dem Gottesdienst zuversichtlicher. Sie wünscht sich, dass Europa zusammenwachse und „wie Jesus sagt, dass alle Europäer gleichwertig wie Brüder und Schwestern zusammenleben werden“.

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