Zuversichtsstudie : Gefühlter Aufschwung - Vor fünf Jahren

Die Berliner blickten im Jahr 2010 laut einer Zuversichtsstudie optimistischer in die Zukunft – vor allem, was Arbeitsplätze und persönliches Leben betrifft. Verglichen mit anderen deutschen Städten, hatte Berlin in Sachen Zuversicht allerdings Nachholbedarf. Was Sandra Daßler darüber schrieb.

von
Wird schon. Die Sonne scheint, der Sommer ist auch noch nicht ganz vorbei - und was danach kommt, kann so schlimm auch nicht sein.
Wird schon. Die Sonne scheint, der Sommer ist auch noch nicht ganz vorbei - und was danach kommt, kann so schlimm auch nicht sein.Foto: AFP

Die Berliner sind deutlich optimistischer als in den vergangenen Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt die sogenannte Zuversichtsstudie der Allianz, die am Donnerstag in Stuttgart veröffentlicht wurde. Danach blicken derzeit 30 Prozent der Hauptstädter mit Zuversicht oder gar großer Zuversicht in die Zukunft – 2009 waren es nur 23 Prozent, 2008 nur 21 Prozent.

Besonders das Vertrauen in die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes und in die allgemeine Wirtschaftslage ist in Berlin deutlich gestiegen. 2009 hielten laut Studie nur 32 Prozent ihren Arbeitsplatz für sicher, 2010 waren es 60 Prozent, also 28 Prozent mehr. Hinsichtlich der ökonomischen Lage in Deutschland stieg die Zuversicht um 16 Prozent von 23 Prozent 2009 auf 39 Prozent in diesem Jahr.

Für ihr persönliches Leben sind 60 Prozent der Berliner positiv gestimmt, besonders groß ist hier die Zuversicht, was die eigene Familie und das eigene Zuhause anbelangt. „Das spricht für ein gesundes Selbstvertrauen“, sagt Frank Brettschneider. „Im persönlichen Umfeld hat man viele Dinge in der eigenen Hand – im Gegensatz beispielsweise zum Klimaschutz, wo die persönlichen Einflussmöglichkeiten meist doch recht begrenzt sind.“

Brettschneider ist Professor an der Universität Hohenheim, die seit drei Jahren die „Allianz-Zuversichtsstudie“ wissenschaftlich begleitet. Vierteljährlich werden die Ergebnisse veröffentlicht, für die aktuelle Studie führte die Universität im dritten Quartal 2010 insgesamt 2918 Interviews durch, davon etwa 100 in Berlin. Gefragt wird nach der Zuversicht der Interviewten für ihr persönliches Leben, für Gesamtdeutschland sowie nach ihrer Zuversicht für verschiedene Gesellschafts- und Lebensbereiche.

Im dritten Quartal 2010 wurde zusätzlich zu den regelmäßigen Befragungen auch die Zuversicht in den 14 Städten in Deutschland mit mehr als 500 000 Einwohnern erhoben. Dabei schnitt Berlin allerdings deutlich schlechter ab als die meisten anderen Städte – nur in Dresden und Hamburg sind die Menschen noch weniger zuversichtlich.

Das gelte allgemein für Ostdeutschland, sagt Frank Brettschneider. Dort sei die Skepsis besonders hoch, was aber auch mit der schlechteren ökonomischen Situation zusammenhänge. So verwundert es nicht, dass die zuversichtlichsten Menschen in München und Stuttgart leben. Allerdings zeige die, so Brettschneider, „fast schon explosionsartig“ gestiegene Zuversicht in die Sicherheit von Arbeitsplätzen, dass die Konjunkturerholung auch bei den Berlinern ankomme.

Immerhin liegt die Stadt bei der wirtschaftlichen Dynamik bundesweit inzwischen auf Platz drei. Das ergab jedenfalls das kürzlich ausgewertete achte Bundesländerranking des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), der „Wirtschaftswoche“ und der Initiative Neue soziale Marktwirtschaft.

Besonders kritisch sehen die Berliner übrigens das Thema Bildung. Dort sank die Zuversichtlichkeit sogar gegen den Trend um drei Prozentpunkte auf 17 Prozent. Brettschneider erklärt dies mit dem schlechten Abschneiden Berlins beim Bildungsmonitor 2010 und dem vom Lehrermangel begleiteten Schulstart. „Da ging viel Vertrauen verloren“, sagt er.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

3 Kommentare

Neuester Kommentar