Berlin : Zwangsarbeiter-Entschädigung: Drohungen gegen Lambsdorff und Gentz

babs/Ch.B.

Eine linksradikale Gruppe in Berlin bedroht eine Reihe von prominenten Personen, die die Zwangsarbeiterentschädigung mitausgehandelt haben. Der Beauftragte des Bundeskanzlers in den Verhandlungen, Otto Graf Lambsdorff (FDP), Daimler-Chrysler-Vorstand Manfred Gentz und der Sprecher der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft, Wolfgang Gibowski, haben in ihrer Post jeweils einen Drohbrief gefunden. In den Schreiben lag eine Patrone. Zu den Briefen und einem Brandanschlag auf einen Kleinlaster auf dem Gelände der Daimler-Chrysler-Niederlassung in Marienfelde in der Nacht zu Freitag hat sich eine "militante Gruppe" (mg) bekannt.

Der Leiter des polizeilichen Staatsschutzes in Berlin, Peter Haeberer, bestätigte am Montag den Eingang der Drohbriefe. Diese seien um den 20. Juni herum an den Wohnsitzen der Betroffenen in eingegangen. Deshalb ermitteln die Polizeibehörden sowohl in Berlin als auch in Stuttgart und Bonn. In den nächsten Tagen sollen die Ermittlungen allerdings zusammengefasst werden. "Es wäre leichtfertig, die Drohung nicht ernst zu nehmen", sagte Haeberer. Die "militante Gruppe" sei schon einmal "im selben Begründungszusammenhang in Erscheinung getreten". In der linksradikalen Zeitschrift "interim" waren im März 2000 Angriffe auf Firmen, "die sich weigern, den ZwangsarbeiterInnen freiwillig minimale Entschädigung zu zahlen", diskutiert worden.

In einem Bekennerschreiben wird Daimler-Chrysler als "treibende Kraft dieses zynischen Entschädigungsspektakels des deutschen Kapitals" bezeichnet. Daimler-Chrysler als "maßgeblicher Profiteur des deutschen Faschismus" bestimme "die Konditionen der Tilgung seiner Verbrechen".

Graf Lambsdorff wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern. Der FDP-Politiker gibt generell keine Stellungnahme ab zu Fragen seiner eigenen Sicherheit. Gibowski sagte, "ich möchte das nicht überbewerten und fühle mich auch nicht sonderlich bedroht". Er finde es einfach bedauerlich, dass in dieser Form versucht werde, Druck auszuüben. Ihn verwundere auch der Zeitpunkt der Aktion: "Die Entschädigung der Zwangsarbeiter ist doch geregelt." Der Rechtsexperte der Grünen, Volker Beck, verurteilte die Drohung. Niemand könne "im Namen der Humanität und der Opfer auftreten und selbst damit drohen, die Rechte von Menschen mit Füßen zu treten".

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