Berlin : Zwei Angeklagte fehlen beim Bankenprozess

Ab heute stehen Landowsky und ein Dutzend Ex-Manager vor Gericht. Schroth und Wunsch gelten als verhandlungsunfähig

Katja Füchsel

Und da waren es nur noch 13. Wenn am heutigen Freitag der Prozess in der Berliner Bankenaffäre beginnt, werden auf der Anklagebank mindestens zwei Stühle verwaist bleiben: Die 36. Große Strafkammer hat das Verfahren gegen die Ex-Vorstände der Berlin Hyp Theo Schroth (69) und Herbert Wunsch (70) vorerst abgetrennt. Das Gericht schließt nicht aus, dass beide Fälle komplett einstellt werden. Ein Sachverständiger hat beide Männer bereits medizinisch untersucht.

Es bleibt abzuwarten, ob die übrigen 13 Angeklagten – die meisten sind Ende 60 – den Strapazen des Mammutprozesses gewachsen sein werden oder ob es zu weiteren „Krankmeldungen“ kommt. Die ehemaligen Manager der Berlin Hyp müssen sich in dem Verfahren, das als einer der größten Wirtschaftsprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik gilt, für die Vergabe unzureichend gesicherter Kredite in dreistelliger Millionenhöhe an die Immobilienfirma Aubis verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Untreue im besonders schweren Fall vor. Mit auf der Anklagebank sitzen der frühere Vorstandschef und Ex-Fraktionschef der CDU im Abgeordnetenhaus, Klaus-Rüdiger Landowsky, sowie die ehemaligen Chefs der Bankgesellschaft Wolfgang Steinriede und Wolfgang Rupf. Wegen der komplexen Materie glaubt kaum jemand daran, dass im Februar 2006 bereits ein Urteil gesprochen wird.

Einer der angeklagten Ex-Vorstände hat gestern versucht, die Bankgesellschaft auf Erstattung der Verteidigerkosten zu verklagen – und ist vor dem Landgericht gescheitert. Indes hat die „Initiative Berliner Bankenskandal“ für Freitag früh eine Demonstration unter dem Motto „Armut per Landowsky“ angekündigt. Aktionen innerhalb des Gerichts könnten für die Initiative teuer werden. „Bei schuldhafter Ungebühr kann ein Ordnungsgeld bis zu 1000 Euro oder Ordnungshaft bis zu einer Woche festgesetzt werden“, droht das Gericht.

Mit der Immobilienfirma Aubis begann der größte Finanzskandal der Berliner Nachkriegsgeschichte. Mit Hilfe der Berlin Hyp hatte Aubis in den 90er Jahren Plattenbausiedlungen gekauft. Deren Inhaber spendeten der Berliner CDU 40 000 DM. Das Geld hat Inhaber Wienhold dem CDU-Fraktionschef Landowsky in bar überreicht. Mit den Krediten und der Spende löste Aubis 2001 die Parteispenden- und Bankenaffäre aus. Die große Koalition aus CDU und SPD zerbrach.

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