Zwei Chefs, zwei Termine : Alle wollen nach Spandau, alle wollen ins Zelt

Die eine kam um 12 Uhr, der andere 2,5 Stunden später: Tagesspiegel-Redakteur Ulrich Zawatka-Gerlach über den koalitionspolitischen Wettlauf. Ein Kommentar

Ulrich Zawatka-Gerlach
Zwei Termine in Spandau. Frank Henkel und Michael Müller machten sich auf den Weg, einer war schneller.
Zwei Termine in Spandau. Frank Henkel und Michael Müller machten sich auf den Weg, einer war schneller.Fotos: dpa

Sigmar Gabriel und Angela Merkel haben es vorgemacht. In guter Absicht natürlich. Erst kam der SPD-Chef nach Dunkeldeutschland, dann folgte die Kanzlerin. Getrennte Besuche, doch letztlich ein mächtiges Signal für eine gemeinsame Willkommenspolitik. Aber Vorsicht, jetzt kommen die Trittbrettfahrer!

„Ich bün al dor“, rief am Donnerstag um 12.30 Uhr in Spandau Innensenator Frank Henkel. Zweieinhalb Stunden später rückten der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Sozialsenator Mario Czaja in die Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne im Nordwesten der Hauptstadt ein, um das neue Refugium für tausend Flüchtlinge zu besichtigen. Die Führungsriege der Berliner Landespolitik spielte Hase und Igel, echt peinlich.

Nächste Fotoshooting im ICC? Oder im LBB?

Ein koalitionspolitischer Wettlauf, der schöne Bilder im Regionalfernsehen und in den Zeitungen produzieren soll. Lange Zeit sah es so aus, als wäre die kollektive Verantwortungslosigkeit des Senats im Umgang mit den Flüchtlingsproblemen nicht zu überbieten. Doch jetzt wollen alle Rot-Schwarzen hilfreich in Erscheinung treten. Die nächsten Fotoshootings sind im Tempelhofer Flughafengebäude, im ICC und dem LBB-Klotz an der Bundesallee zu erwarten. Und sollte sich Brandenburg erbarmen und verödete Landstriche für Berliner Flüchtlingskontingente öffnen, werden sie Dietmar Woidke wohl auch die Bude einrennen.

Die Frage drängt sich auf: Wer hilft da eigentlich wem? Wehe den Syrern, Irakern und Afghanen, wenn das neue Jahr beginnt – und der Berliner Wahlkampf an Fahrt gewinnt. Sie werden dann hoffentlich gut geschützt vor Spitzenkandidaten der Weltstadt Berlin, die neben Matratzen und Wasserstellen posieren.

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