Berlin : Zwei Frauen starben bei Großfeuer in Pankow

Feuerwehr rettete nachts zehn Menschen aus dem lichterloh brennenden Gebäude. Drei Mieter kamen verletzt ins Krankenhaus. Ein Fernseher soll durch eine Kerze in Brand geraten sein. In dem Haus wohnt auch Schwimm-Europameister Stev Theloke

Jörn Hasselmann

Bei einem Großfeuer starben in der Nacht zu Donnerstag in Pankow zwei 67 und 85 Jahre alte Frauen. Drei Menschen, darunter ein zwei Jahre altes Kind, kamen mit Rauchvergiftungen oder Unterkühlungen in Krankenhäuser. Vier Wohnungen des Neubaus an der Treskowstraße brannten aus, das Haus ist unbewohnbar. Zehn Mieter, darunter der Schwimm-Europameister Stev Theloke, wurden in letzter Minute von der Feuerwehr mit Leitern gerettet oder durch das verqualmte Treppenhaus in Sicherheit gebracht. Theloke teilte auf seiner Internetseite mit, dass er und seine Lebensgefährtin von deren elfjähriger Tochter geweckt worden seien. Als er aus dem Fenster geschaut habe, hätten Flammen alles taghell erleuchtet. Der Nachrichtenagentur ddp sagte Theloke, dass die Elfjährige durch Hilferufe geweckt worden sei. Die Familie habe daraufhin die Türen mit Handtüchern abgedichtet und sich im Schlafzimmer verbarrikadiert. Die Feuerwehr habe sie dann gerettet, als sie durch die starke Rauchentwicklung kaum noch Luft bekamen. Mit Atemmasken (so genannten Fluchthauben) seien sie durch das verqualmte Treppenhaus in Sicherheit gebracht worden. „Wir sind mit dem Leben davongekommen“, sagte der mehrfache Schwimm-Europameister.

Insgesamt mussten etwa 80 Mieter den Block verlassen, sie wurden in der Nacht in einem benachbarten Hotel oder bei Verwandten untergebracht. Die Feuerwehr löste Großalarm aus, allein zehn Krankenwagen waren im Einsatz. Auch Feuerwehrchef Albrecht Broemme eilte zum Brandort im Ortsteil Heinersdorf, nahe der Prenzlauer Promenade. Erst kurz vor vier Uhr hatte die Feuerwehr die Lage unter Kontrolle. Im Treppenhaus wurden dann die Leichen der beiden Frauen gefunden – sie erstickten auf der Flucht.

Der 85 Jahre alte Mieter einer Wohnung im 2. Stock hatte genau um 1.59 Uhr den Notruf 112 gewählt und gesagt: „Mein Fernseher brennt.“ Nachdem die Feuerwehr eingetroffen war, breiteten sich die Flammen zur großen Verblüffung der Retter geradezu explosionsartig in die oberen Stockwerke aus – selbst altgediente Feuerwehrleute haben so etwas noch nicht erlebt. Die Ursache ist noch unbekannt. Möglicherweise habe sogar die Fassade die Flammen angefacht, vermutete ein Feuerwehrsprecher: „Das war, als wenn große Mengen Benzin verschüttet worden sind.“

Dass Flammen in Neubauten von einer Etage zur darüber liegenden schlagen, ist ungewöhnlich, da die Decken in modernen Häusern aus Stahlbeton sind. Bei Altbauten ist bekannt, dass sich ein Brand nach einiger Zeit durch die Holzdecke nach oben fressen kann. Experten der Feuerwehr und des Landeskriminalamtes untersuchten gestern deshalb den Brandort besonders intensiv. Auch Baustadtrat Martin Federlein informierte sich. Nach seinen Angaben sei die Bauabnahme des von einem privaten Investor erbauten Komplexes 1996 erfolgt. Wieso sich das Feuer so rasant ausbreiten konnte, „damit müssen wir uns beschäftigen“, sagte der CDU-Politiker. Nach den ersten Ermittlungen des Landeskriminalamtes löste eine brennende Kerze das Großfeuer aus. Sie soll den Fernseher des 85-Jährigen entzündet haben. Genau dieses Brandszenario hatte Feuerwehrchef Broemme der Öffentlichkeit in der Vorweihnachtszeit 2004 auf dem Wittenbergplatz vorgeführt: Eine Kerze entzündete ein TV-Gerät, Minuten später stand der gesamte, als Wohnung möblierte Container in Brand. Geworben wurde dabei für schwer entflammbare Gehäuse von Fernsehern, die jedoch derzeit noch deutlich teurer sind.

Gestern hätten schon Rauchmelder für wenige Euro geholfen, hieß es bei der Feuerwehr – auch den Mietern der oberen Wohnungen. Die Melder sind so empfindlich, dass sie auch Qualm registrieren, der durchs Treppenhaus herein zieht.

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