Berlin : Zwei für Glamour

Klaus Wowereit und sein Hamburger Amtskollege Ole von Beust haben den Glanz zur Chefsache erklärt. Sie rangeln um Galas, TV-Shows und Award-Zeremonien, wie den Bambi. Wer macht dabei die bessere Figur?

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Internationales Flair, SpitzenRestaurants und eine Hand voll Fünf-Sterne-Hotels sowie einige schöne Veranstaltungsorte, das alles hat Berlin. Aber Klaus Wowereit weiß, dass es mehr braucht, um Glamour-Ereignisse in die Stadt zu holen. 30 Millionen Euro Umsatz alleine durch die Berlinale – das ist eine Summe, die die Wirtschaft der Stadt gut gebrauchen kann. Und außerdem steht Berlin das Gesicht der Gala-Hauptstadt gut zu Gesicht – findet der Regierende Bürgermeister und geht mit gutem Beispiel voran.

Es gibt Wochen, an denen kommt er aus dem Smoking gar nicht mehr heraus. Wowereit beherrscht die Kunst des Party-Small- Talks, hat bislang Seide von Halbseide sehr gut unterscheiden können und freut sich, wenn er in Hochglanz-Magazinen neben den Schönen des internationalen Showbiz auftaucht. Er ist nicht uneitel. Das macht ihn vielleicht gerade so beliebt bei Gala-Machern wie Promi-Gästen. Er ist galant, hat ein glamouröses Auftreten – auf manchen Partys scharen sich die Gäste eher um Wowereit als um die eigens eingeflogenen Stars.

Dazu beigetragen hat sein offener Umgang mit seiner Homosexualität. Wowereit und sein Freund Jörn Kubicki sind ein selbstverständliches Paar, gelten als moderne Gastgeber einer modernen Gesellschaft. Das attestieren ihm die Manager der Berliner Gastro-Branche. Mit dem Regierenden Bürgermeister, finden sie, kann man die Stadt gut vermarkten.

Wowereit ist aber auch zu einem Polit-Star geworden, den ein unglaubliches Stehvermögen auszeichnet. Ein kleines Formtief weit nach Mitternacht? Wowereit ordert einen Espresso, ist danach wieder fit und stets einer der letzten Gäste, die die Partys verlassen. Vorbei die Zeiten, in den Zweifel aufkamen, ob der „Regierende Partymeister“ seinen ihm obliegenden Pflichten ausreichend nachkomme.

Wowereit verfällt aber keiner Star-Hysterie. Auch das passt zu Berlin. Wenn die Glamour-Party vorbei ist, wollen Stars (so auch Wowereit) ihre Ruhe haben. Und genießen es (wie zum Beispiel bei der letzten Berlinale), wenn sie unprätentiös Essen gehen können oder durch die Straßen schlendern, ohne dass an jeder Ecke ein Star-Geschrei ausbricht. Das hat Größe. Das ist in New York, London oder Paris auch so.

Auch in Hamburg gibt es alles, was man für eine glanzvolle Kulisse braucht: den Hafen, die Alster, große Hotels. Aber ein Auftreten wie das von Klaus Wowereit, das wünschen sich die Hanseaten dann doch nicht. Insofern sind die Hamburger völlig einverstanden, dass Ole von Beust sich nicht nächtelang auf Partys herumtreibt. Wenn am Wochenende Dariusz Michalczewski boxt, werden viele Promis dabei sein. Ole von Beust hat aber abgesagt. Den Senat repräsentiert Ronald Schill.

Der Erste Bürgermeister ist nämlich eher ein etwas steifer Typ. Naturverbunden, ruhig, ein Einzelgänger, der die Dünen auf Sylt allemal den Gewölben einer verrauchten Disko vorzieht. Auf wichtigen Gesellschaftsereignissen ist er trotzdem präsent und ließ sich bislang hin und wieder an der Seite der amerikanischen Konsulin in Hamburg blicken. Meistens aber ist er allein, gilt außerdem als Tanzmuffel. Aber immerhin: Er hat den Hamburger Presseball mit einem Tanz eröffnet. Aber nicht so wie sein Kollege aus Berlin, mit Sabine Christiansen im Arm, und umzingelt von einer unzähligen Schar von Kameraleuten und Fotografen.

Aber Ole von Beust will den Glanz der internationalen Prominenz trotzdem in die Hansestadt holen, „Glamour und Industrie“ miteinander verbinden. Gemeinsam mit seinem Wirtschaftssenator Gunnar Uldall kümmert er sich um Gala-Ereignisse. Den Veranstaltern wird da einiges angeboten. Rundfahrten für Promis mit der Senats-Barkasse auf der Elbe zum Beispiel, oder ein Empfang im Ratskeller mit warmen Begrüßungs-Worten des Hausherrn. Von Beust versteht sich als Ansprechpartner für Gala-Veranstalter. Und er hat Ideen.

Galas wie der Bambi könnten nach seiner Meinung nicht nur im Musical-Theater gegenüber der Landungsbrücken stattfinden (wo im November der Bambi vergeben wird), sondern auch in den Industriehallen von Blohm+Voss oder in der Airbus-Lufwerft Finkenwerder. Und Dank der neuen Colorline-Arena, einer Mehrzweckhalle, die 15 000 Gäste fasst, „müssen internationale Stars nicht mehr einen großen Bogen um Hamburg machen“, sagt Ole von Beust.

Überall will er für die Stars den Roten Teppich ausrollen lassen, die volle Aufmerksamkeit soll ihnen zuteil werden.

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