Berlin : Zwei Hochhaustürme für die West-City

Cay Dobberke,Christian van Lessen

Die City-West am Breitscheidplatz wird in die Höhe wachsen. Die Planungen für zwei Gebäudekomplexe mit rund 120 Meter hohen Häusern kommen ins entscheidende Stadium. Für das "Zoofenster"-Hochhaus wird am 7. Oktober symbolisch der erste Spatenstich gefeiert. Auf dem Nachbargrundstück soll das Schimmelpfeng-Brückenhaus abgerissen und möglichst 2001 mit dem Bau eines Hochhauses namens "Atlas" begonnen werden.



Für das 37-stöckige "Zoofenster" an der Joachimstaler Straße / Ecke Kantstraße fand sich jetzt ein neuer Investor. Nach Tagesspiegel-Informationen verkaufte der Getränkekonzern Brau und Brunnen das ehemalige "Teppich-Kibek"-Grundstück an die Kölner Grundstücksgesellschaft Dr. Ebertz und Partner. Beide Unternehmen bestätigten den Eigentümerwechsel, nannten aber noch keine Einzelheiten.

Der wichtigste Teil des 350-Millionen-Projekts ist ein Fünf-Sterne-Hotel der "Raffles"-Gruppe aus Singapur. Das "Merchant Court"-Hotel werde 300 Zimmer haben und sei vorrangig für Geschäftsreisende gedacht, sagte der Direktor des zur "Raffles"-Gruppe gehörenden Hotels "Vier Jahreszeiten" in Hamburg, Ingo Peters. Der Pachtvertrag wurde schon abgeschlossen. Die Eröffnung des gesamten Hochhauses ist für 2002 geplant. In den unteren zwei Etagen sieht das bisherige Konzept Geschäfte vor. In den oberen Stockwerken sind auch Büros und Wohnungen geplant. Nach Auskunft der Senatsbauverwaltung hält der neue Investor am "Zoofenster"-Entwurf des Frankfurter Architekten Christoph Mäckler fest. Charlottenburgs Baustadträtin Beate Profé (Grüne) kennt die Vorstellungen des Kölner Unternehmens noch nicht, hält Änderungen aber für wahrscheinlich: "Ich habe noch nie erlebt, dass ein neuer Eigentümer keine eigenen Ideen einbringt." Das Bezirksamt lehnt das Vorhaben strikt ab und ignorierte vor wenigen Tagen eine Weisung der Senatsbauverwaltung, die Baugenehmigung zu erteilen. Stadträtin Profé nimmt an, dass ihr das Verfahren in der kommenden Woche endgültig entzogen wird.

Bei einer Diskussion, zu der die Verwaltung von SPD-Stadtentwicklungssenator Peter Strieder eingeladen hatte, trafen am Montagabend erneut die kontroversen Meinungen zu Hochhäusern rund um den Breitscheidplatz aufeinander: Pfarrerin Sylvia Kekulé von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche kritisierte, die 63 Meter hohe Kirche werde durch die fast doppelt so hohen Neubauten "ihrer Monumentalität beraubt". Senator Strieder warnte vor einer "Zerstörung des historischen Charakters". Dagegen meinte Christian Ernst Hollmann von der BOTAG, die ebenfalls Kaufverhandlungen um das "Zoofenster" geführt hatte, architektonische "Ausrufezeichen" steigerten die Attraktivität. "Aber wir wollen nicht New York", schränkte er ein.

Dazu kommen die Hochhaus-Pläne auf dem Schimmelpfeng-Grundstück. Die Zoofenster-Planung seines Nachbarn Brau und Brunnen hatte Hans Karl Herr von der ITAG vor einigen Jahren zum Anlass genommen, eigene hoch hinausgehende Baupläne für diese Fläche zu entwickeln. Dem Zoofenster will er nun das schräggestellte Hochhaus "Atlas" gegenüberstellen.

Für Herr ist eine wirksame und tragfähige Aufwertung des Areals nur nach dem Abriss des "Schimmelpfeng-Hauses" möglich. Der Immobilien-Treuhand und Vermögensanlage AG gehört das Haus, das zwischen Kurfürstendamm und Hardenbergstraße die Kantstraße am Breitscheidplatz überbrückt. Der Bauantrag für einen 400 Millionen Mark teuren dreiteiligen Baukomplex mit 30-stöckigem Hochhaus wird vermutlich Anfang nächsten Jahres gestellt, mit dem Bau frühestens 2001 begonnen.

Die Planung habe inzwischen "einen Stand erreicht, dass man von einer Realisierung ausgehen kann", sagte Herr gestern. Mit dem Architekten Christoph Langhof stellte er einen Entwurf namens "Focus" vor, der mit den zuständigen Senatsverwaltungen abgestimmt ist. Das Projekt besteht aus zwei Büro- und Geschäftshäusern, eines am Breitscheidplatz, das andere zwischen Kant-und Hardenbergstraße. Dritter und herausragender Teil ist das Turmhochhaus "Atlas", das als Krone eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform haben soll.

Herr sprach vom "ersten öffentlichen Hochhaus Berlins", auch die Erdgeschosszonen sollen maximal zugänglich sein, außerdem würden die Gehwege der Kantstraße breiter. Der Baukörper des schlanken und schräg gestellten Turms orientiere sich in seiner stufenweisen, nach oben verjüngenden Form an klassischen, hauptsächlich amerikanischen Vorbildern, hieß es. Wie die Fassaden im Detail aussehen sollen und welches Material verwendet wird, ist noch offen. Der Architekt machte aber deutlich, dass er von modernen Ganzglas-Fassaden nichts hält, sie seien "Energieschleudern".

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