Berlin : Zwei Jahre lang gibt’s Geld fürs Pendeln

Das Umweltbundesamt zieht in diesen Tagen nach Dessau um. In Berlin bleibt eine Außenstelle

Klaus Kurpjuweit

Eine Institution verlässt die Stadt und bleibt trotzdem hier. Das Umweltbundesamt (UBA) verlegt jetzt zwar seinen Dienstsitz von Berlin nach Dessau – und macht Berlin gleichzeitig zu seiner größten Außenstelle. 750 Mitarbeiter werden in Zukunft in Dessau arbeiten, doch 300 bleiben in Berlin und werden am bisherigen Standort am Bismarckplatz in Grunewald konzentriert. Insgesamt hat das Umweltbundesamt an allen Standorten zusammen etwa 1300 Mitarbeiter.

Die meisten Mitarbeiter hätten sich mit dem Umzug nach Dessau arrangiert, der am Freitag offiziell begonnen hat, sagte der Präsident des Amtes, Andreas Troge. Seit in Dessau zu sehen sei, dass dort ein ästhetisch anspruchsvoller und aus Umweltsicht hervorragender Neubau in die Höhe gewachsen sei, stoße der Umzug auf weniger Bedenken als noch vor Jahren. Dagegen löst der Wohnort Dessau noch keine Freude aus. 80 bis 90 Prozent der 750 Mitarbeiter werden am Anfang zwischen Berlin und Dessau pendeln, schätzt Troge. Auch er wird dazu gehören. Zwei Jahre lang erhalten die Mitarbeiter ein Trennungsgeld sowie einmal in der Woche die Kosten für eine Heimfahrt nach Berlin. Übernommen werden auch vorübergehend die Aufwendungen für die zweite Unterkunft in Dessau, denn täglich hin- und herfahren wollen nur wenige der Mitarbeiter. Deshalb kostet der Umzug insgesamt 71 Millionen Euro, wovon allein auf den Neubau 65 Millionen Euro entfallen.

Der Umzug war nach der deutschen Einheit beschlossen worden, damit staatliche Stellen auch in den neuen Bundesländern vertreten sind. 1992 befand die Föderalismuskommission, das Umweltbundesamt in Sachsen-Anhalt anzusiedeln, und 1996 entschied sich der Bundestag für Dessau.

Bereits der erste Standort war eine politische Entscheidung. Um Bundespräsenz in West-Berlin zu zeigen, wurde das neugegründete Amt 1974 am Bismarckplatz installiert, was heftige Proteste der DDR auslöste. Ost-Berlin wollte keine Bundeseinrichtungen im Westteil der Stadt sehen. Deshalb wählte die Bundesregierung beim Namen einen Kompromiss. Statt Bundesumweltamt hieß die neue Behörde Umweltbundesamt. Und daraus ist inzwischen ein Markenzeichen geworden. Deshalb bleibt es bei der Bezeichnung, auch in Dessau.

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