Berlin : Zwei junge Männer erwischt: Der eine zum 18. Mal, der andere im gestohlenen Bus

Katja Füchsel

Zu seinem Prozess nahm der 18-Jährige den Linienbus. Die einzigen Schönheitsfehler: Marcel W. hatte den Bus geklaut, und einen Führerschein besaß er auch nicht. Deshalb wurde der junge Köpenicker am vergangenen Mittwoch noch im Gerichtssaal festgenommen, nach der Entscheidung des Haftrichters darf er seinen Prozess nun aber im Hause der Eltern abwarten. "Das Verfahren wird vermutlich mit den zwei bereits laufenden Anklagen zusammengelegt", sagt Justizsprecherin Michaela Blume.

Fahren ohne Führerschein - für einige Jugendliche scheint es eine Art Volkssport geworden zu sein. Am selben Tag, an dem Marcel W. den Bus vor dem Moabiter Kriminalgericht parkte, stoppte die Polizei in der Lichtenberger Treskowallee einen "alten Bekannten" mit knapp 90 Stundenkilometern in einer Tempo-50-Zone. Der angetrunkene 22-Jährige war bereits 17 Mal ohne Führerschein erwischt worden, und begrüßte die Beamten recht gelassen: "Ihr wisst doch, dass ich keinen Führerschein habe." Den "Ford Sierra" hatte der 22-Jährige zwar nicht geklaut, nach den Worten eines Polizeisprechers war der Wagen aber höchstens 200 Mark wert. Deshalb verzichteten die Polizisten darauf, das Fahrzeug einzuziehen, was erhebliche Kosten nach sich gezogen hätte. "Das hätte der arbeitslose 22-Jährige nie zurückzahlen können." Außerdem könne man so auch keine weiteren Spritztouren verhindern. "Nächstes Wochenende schiebt der doch los und kauft sich wieder einen Wagen."

Allerdings hätten die Polizisten gut daran getan, zumindest den Schlüssel des Wagens einzuziehen. Denn kaum nachdem sie den 22-jährigen Fahrer festgenommen hatten und mit ihm abgerückt waren, setzte sich der 23-jährige Beifahrer ans Steuer und fuhr nach Hause - ebenfalls ohne Führerschein. Als die Beamten später in die Treskowallee zurückkehrten, vermissten sie den "Ford" und fanden ihn anschließend vor dem Haus des 23-Jährigen.

Nun müssen beide Männer mit einem Strafverfahren rechnen. "Damit, dass sie in der Zwischenzeit nicht wieder fahren, rechnet aber niemand ernsthaft", sagt der Polizeisprecher. Den Autoschlüssel habe man nun aber doch vorsorglich eingezogen. Ob Marcel W. bis zu seinem Prozess "sauber" bleiben wird, ist ebenfalls ungewiss. Auch er ist schon öfter erwischt worden, zum ersten Mal mit 15 Jahren, doch von seiner Leidenschaft scheint ihn das nicht abzubringen. Offenbar überkommt ihn der Drang zum Busfahren schubweise. Anfang vergangenen Jahes stahl er kurz hintereinander zwei Busse aus einem Strausberger Verkehrsunternehmen. Vermutlich hat er auch den Bus gestohlen, der Ende vergangener Woche der Havelbus-Verkehrsgesellschaft in Potsdam fehlte. Mittwoch früh stand er wieder auf dem Betriebsgelände in Rehfelde. Dort tauschte Marcel W. ihn gegen ein neues Fahrzeug ein.

Auf die Spur kam ihm die Polizei durch einen Zufall. Ein Mitarbeiter der märkischen Verkehrsbetriebe schöpfte Verdacht, als der Junge den Bus durch die Berliner Innenstadt fuhr. In die Frontscheibe hatte Marcel W. das Schild "Betriebsfahrt" gelegt. Der Mitarbeiter verfolgte den 18-Jährigen bis zum Gericht und verständigte dann die Polizei.

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