Berlin : Zwei Kranke, ein Gesunder

Die Landesligisten Spandauer BC 06 und 1. FC Spandau fusionieren

André Görke

Vor vier Tagen war es, um 12.55 Uhr, als über den Ticker der Deutschen Presse-Agentur (dpa) eine merkwürdige Nachricht lief. „Die Berliner Fußball-Landesligisten Spandauer BC 06 und 1. FC Spandau verschmelzen zum FC Spandau 06.“

Merkwürdig war diese Nachricht aus zwei Gründen. Erstens: Weil dpa nie über sechstklassige Fußball-Klubs berichtet. Und zweitens: Weil an diese Fusion niemand geglaubt hat. „Doch, doch“, sagt jetzt Elmar Koch. „Die Geschichte ist wahr, wir haben es geschafft.“ Koch ist der neue Präsident des FC Spandau 06. Und er sagt: „Wir haben aus zwei kranken Klubs einen halbwegs gesunden gemacht.“ Der FC Spandau 06 wird ab 1. Juli am offiziellen Spielbetrieb des BFV teilnehmen. „Wir erstellen gerade ein Logo“, sagt Koch.

Es hat lange gedauert, bis einer der beiden Traditionsvereine, der SSV und der SBC, der Fusion mit dem 1. FC Spandau zustimmte. Seit sechs Jahren gibt es den neuen Großverein schon. Den Klub hat Werner Salomon, der ehemalige Bezirksbürgermeister, 1997 gegründet, damit die vielen Vereine des Bezirks ihre Kräfte bündeln und unter dem Dach des 1. FC Spandau neu aufgehen. Salomon meinte damals: „Der Bezirk hat doppelt so viele Einwohner wie die Stadt Kaiserslautern – aber keinen vernünftigen Fußball-Verein.“ Als der Klub dann vor zwei Jahren mit dem Ruhlebener SC fusionierte, ließ sich Rolf Fringer, der damalige Manager des 1. FC, zu dem Satz hinreißen, „wir wollen hinter Hertha und Union die dritte Kraft im Berliner Fußball werden.“ Und Salomon sagte: „2010 wollen wir in die Zweite Liga aufsteigen.“

Was dann folgte, war ein Debakel: Insider erzählen, der Verein habe sich mit einem Jahresetat von 125 000 Euro vollkommen übernommen. Bei der letzten Spielersitzung habe Präsident Salomon vor der Mannschaft gestanden und geweint, weil der 1. FC Spandau keine Gehälter mehr zahlen konnte. Es ist vier Wochen her, da sagte der neue Manager Thomas Grunenberg: „Wenn es so weitergeht, ist der Verein bald tot.“

Elmar Koch, der Präsident des FC Spandau 06, kommt vom SBC. Er sagt: „Bei uns haben die Leute begriffen, dass es so nicht weitergehen konnte.“ Und auch beim 1. FC Spandau haben sie einiges lernen müssen. Mal eben den SBC schlucken – das ging nicht. Deshalb musste ein neuer Name her, der SBC will 2006 schließlich sein 100-jähriges Vereinsbestehen feiern. Und dann waren da die Farben des 1. FC: Rot-Weiß erinnerte stark an den Erzfeind Spandauer SV. Deshalb sind die neuen Farben jetzt Rot-Schwarz. Gespielt wird am Ziegelhof, viele Spieler müssen gehen. Die Trainerfrage ist noch ungeklärt. Spandauer Unternehmen wollen in den neuen Klub investieren, sagt Koch. Den SBC unterstützen viele kleine Firmen, beim 1. FC engagierte sich unter anderem Mercedes. Das Ziel des neuen Vereins ist bescheiden: „Wir wollen bis 2006 in die Verbandsliga“, sagt Koch. Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz habe seine Unterstützung zugesagt. Und was wird Werner Salomon machen? Er wird neuer Ehrenpräsident.

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