Berlin : Zwei Mörder in zwei Wochen gefasst

Jüngste Fahndungserfolge verbessern Kripo-Bilanz für das Jahr 2004. Oberstaatsanwalt: Die Bereitschaft zu roher Gewalt nimmt zu

Jörn Hasselmann

Zwei Mordfälle sind geklärt: Eineinhalb Jahre nach dem Tod der 33-jährigen Simone Sukowski wurde der Lebensgefährte der Frau festgenommen. Der 58-Jährige hatte sich in einer Kneipe Bekannten gegenüber verplappert – bei der Polizei stritt Manfred B. jedoch alles ab. Er gilt aber als überführt und sitzt in Untersuchungshaft. Außerdem konnte der Mörder von Maximilian Berdich festgenommen werden. Berdich war Anfang November in Treptow erschlagen worden. In diesem Fall war ein eifersüchtiger Bekannter von Berdichs Freundin der Täter. Der 30-jährige Nikolaj G. aus der Ukraine sitzt jetzt ebenfalls in Untersuchungshaft. Ihm kamen die Ermittler durch Zeugenaussagen auf die Spur.

Beide Fahndungserfolge aus den vergangenen zwei Wochen gab die Kripo erst am Dienstag bekannt, bei der alljährlichen Bilanz der Mordkommissionen. „Offene“ Fälle gibt es damit aus diesem Jahr nur noch drei, weniger als in den Vorjahren. Mit zehn Morden, bei denen zunächst der Täter unbekannt war, gab es jedoch auch deutlich weniger Arbeit für die acht Mordkommissionen. Im Vorjahr waren es 17 Fälle. Auch in diesem Jahr handelte es sich meist um Beziehungstaten, bei denen die Täter sofort namentlich bekannt waren. Oft haben sie sich selbst gestellt. Etwa 100 Fälle wurden im Hause der Mordkommissionen in der Schöneberger Keithstraße bearbeitet, weitere 80 Totschlagsdelikte in den Direktionen. Diese Zahlen sind seit mehreren Jahren auf gleichem Niveau.

Auffällig sei allerdings, dass die Täter brutaler werden, sagte Oberstaatsanwalt Willy Wiedenberg bei der Vorstellung der Bilanz: „Die Bereitschaft zu roher Gewalt nimmt zu.“ Ein Beispiel sei der jetzt aufgeklärte Mord in Treptow. Nikolaj G. habe sein Opfer „auf brutalste Weise zusammengeprügelt“, sagte Wiedenberg. Zugleich lobte der Oberstaatsanwalt die erfolgreiche Arbeit der Kriminalpolizei.

Denn nur drei Mordfälle aus 2004 sind noch offen: In der Neujahrsnacht war der türkische Türsteher Erdogan Ay in seiner Wohnung in der Kreuzberger Willibald-Alexis-Straße erschossen worden. Bis heute kennt die Kriminalpolizei nicht einmal das Motiv.

Ungeklärt ist auch der Mord an der aus Russland stammenden Rentnerin Elena Sereda, die am 8. Februar in ihrem Heim am Heckerdamm 228 in Charlottenburg erwürgt und beraubt worden war. Gesucht wird auch der Mörder des 36 Jahre alten Bassam Alian. Der Angehörige eines libanesischen Clans war im Oktober erschossen worden – vermutlich von einem verfeindeten Clan.

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