Berlin : Zwei Ringe für Berlin

Auf dem Autobahn- und dem Inneren Ring soll der Autoverkehr künftig ums Zentrum herumfließen. Das sieht der Stadtentwicklungsplan vor

Klaus Kurpjuweit

Eine City-Maut wie in London soll es in Berlin nicht geben – und trotzdem wollen die Planer es schaffen, dass der Durchgangsverkehr in Zukunft um das Zentrum herumgeleitet werden kann. Auf dem Stadtplan sind dafür zwei Ringe vorgesehen, die Autofahrer heute als solche aber meist nur ahnen können. Beide haben noch Lücken. Und als Ring sind sie noch nicht einmal beschildert.

Der Autobahnring bleibt nach dem Willen des Senats unvollendet. Der zum größten Teil während der Teilung der Stadt entstandene Abschnitt von der Seestraße bis Neukölln wird nach den aktuellen Plänen zunächst bis zum Treptower Park verlängert. Ein Weiterbau bis zur Frankfurter Allee ist vorgesehen. Von dort setzt sich der „Ring“ dann über vorhandene Stadtstraßen fort, die zum Teil dafür noch ausgebaut werden müssen. Hierfür ist der Straßenzug Ostseestraße, Michelangelostraße, Wisbyer Straße, Bornholmer Straße, Osloer Straße und Seestraße vorgesehen. Für den Weiterbau des Autobahnrings setzt sich vor allem der ADAC ein, besonders unterstützt von der FDP.

Der „innere Ring“ besteht nur aus Stadtstraßen. Er führt über die Uferstraßen am Landwehrkanal über die Skalitzer, die Warschauer, Petersburger, Danziger, Eberswalder, Bernauer und Invalidenstraße sowie durch den Tiergartentunnel der B 96 wieder zu den Kanaluferstraßen. Eine Lücke klafft hier noch im Bereich Bernauer und Invalidenstraße. Hier müssen die Straßenplaner zudem noch die Straßenbahn berücksichtigen, die Richtung Hauptbahnhof-Lehrter Bahnhof gebaut werden soll.

Nach dem jetzt verabschiedeten Stadtentwicklungsplan Verkehr „Mobil 2010“ sollen an den relevanten Knoten bis zum Lückenschluss beim „inneren Ring“ im Jahr 2006 die erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um Teile des bisherigen Durchgangsverkehrs vor dem Zentrum „tangential abzuleiten“.

Dazu gehören nach Angaben von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) großzügige Abbiegespuren und Ampelschaltungen, die den Abbiegeverkehr bevorzugen – etwa durch lange Grünphasen.

Trotzdem bleibt die Fahrt durch die Innenstadt verlockend, das haben auch die Planer erkannt. Das Hauptverkehr-Straßennetz sei nämlich vor allem durch die Durchbrüche nach den Kriegszerstörungen sehr leistungsfähig. Schmaler werden soll hier nur ein Abschnitt der Leipziger Straße. Im Ostteil der Stadt sind zudem die Zulaufstrecken radial auf die Mitte konzentriert. In der West-City ist nach Ansicht der Planer gar keine Ringbildung möglich. Dem stehe die „ausgeprägte Rasterstruktur leistungsfähiger Stadtstraßen“ entgegen. Hier könnten nur die bestehenden Hauptstraßen den Verkehr ableiten.

Reduziert werden soll aber auch der so genannte Zielverkehr in die Innenstadt. „Wichtiges strategisches Element“ dazu sei die schrittweise Ausdehnung der gebührenpflichtigen Parkplätze an den Stellen mit hoher Nachfrage. Die Gebühren werden steigen, kündigte Strieder an. Der Rahmen dafür werde flexibilisiert, um die Höhe stärker an der Nachfrage orientieren zu können. Zudem will der Senat den privaten Stellplatzbau begrenzen.

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