Berlin : Zwei Schwerbewaffnete raubten 13 Geldinstitute aus, bevor die Polizei zuschlug

Holger Stark

Ein gestohlenes Auto wurde ihnen zum VerhängnisHolger Stark

Sie hatten eine Vorliebe für Sparkassen, sie waren immer schwer bewaffnet und sie trugen hautfarbene Gummimasken wie beim Karneval. Mindestens dreizehn Mal überfielen zwei Räuber in den vergangenen Jahren Bankfilialen in Berlin und Brandenburg. Die Beute: Mehr als eine Million Mark. Eine weitere Bank werden die Maskenmänner nicht knacken. Seit Donnerstag sitzen Andrzej T., 43, und Bogdan M., 37 im Moabiter Gefängnis.

Seit dem 18. November hatte das Mobile Einsatzkommando (MEK) in Marienfelde auf der Lauer gelegen. Im Visier: Ein 5er BMW, der im Februar 1999 in Berlin gestohlen worden war und am 21. Mai bei einem Banküberfall in Wustermark als Fluchtauto diente. Bei den Vernehmungen wird später einer der Täter angeben, sie hätten BMW und Mercredes bevorzugt, weil die so zuverlässig fahren. Wochenlang geschah in Marienfelde nichts. Bis zu diesem Mittwoch. Gegen 18 Uhr stieg ein unauffälliger Herr in den in der Prühßstraße geparkten Fluchtwagen. Die Ermittler schlugen sofort zu; Bogdan M. wurde noch im Auto verhaftet. Bei seiner Festnahme trug er eine scharfe Waffe mit 13 Schuss Munition mit sich.

Der Pole, der sich als Tourist in Berlin aufhielt, hatte Unterlagen bei sich, die die elfköpfige SoKo "Maske" zu einer Wohnung in der Marienfelder Blohmstraße führten. Als eine Spezialeinheit das Appartement stürmte, stießen die Polizisten auf ein ganzes Waffenarsenal: Zwei Maschinenpistolen vom osteuropäischen Typ "Scorpion", drei Handfeuerwaffen, eine aufgebohrte Gaspistole sowie eine Handgranate. "Die waren für einen kleinen Feldzug gerüstet", sagt ein Polizist. Dazu fanden die Fahnder 70 000 Mark aus der Beute sowie vier fleischfarbene Gummimasken - die Masken, mit denen die Bankräuber an die Arbeit gingen.

Hauptmieter der Wohnung ist Andrzej T., ein arbeitsloser Medizinisch-Technischer Assistent, der in Polen geboren wurde, aber seit Jahrzehnten in Berlin lebt. In der Nacht zu Donnerstag nahm die SoKo "Maske" den verheirateten Vater eines Kindes fest. Während der Vernehmung legte T., der seit langem die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, zu elf der Banküberfälle ein Geständnis ab. Der 37-jährige zweite Mann bestreitet dagegen jegliche Beteiligung. Zuweilen fühlten sich die Polizisten bei den Ermittlungen wie im Kino. Am 6. Januar 1998 überfiel einer der beiden eine Sparkassen-Filiale in der Weißensseer Romain-Rolland-Straße. Ein 56-jähriger Wachmann versuchte heldenhaft, die Eingangstür zu schließen und den Bankräuber damit einzusperren. Daraufhin zückte der Maskenmann seine Maschinenpistole und schoss von innen durch die Tür auf den Wachschützer, der am Bein verletzt wurde.

Noch spektakulärer verlief ein Überfall in Niemegk am 24. November diesen Jahres. Als unerwartet ein Streifenwagen am Tatort eintraf, eröffnete Andrzej T. sofort das Feuer. Nur durch Glück wurde niemand verletzt. "In einer solchen Serie wachsen Täter oft über sich hinaus und werden immer brutaler", sagt Detlef Schade, oberster Raubermittler der Berliner Polizei.

Die beiden Männer gelten als unauffällig. "Auf der Straße würde man an ihnen vorbei gehen", erzählt ein SoKo-Mann. Als Motiv vermuten die Polizisten Geldnot. Andrzej T. ist hoch verschuldet. Einen Großteil der Beute sollen die Täter ausgegeben haben.

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