Berlin : Zwei Stände für einen Wahlkampf PDS und WASG werben in Neukölln um Wähler

Sabine Beikler

In der einen Hand hält Gabriele Ramson einen in Plastik eingeschweißtenTortenboden, mit der anderen Hand gestikuliert sie energisch. „Die Wahlalternative hätte ich schon gewählt, aber zusammen mit den Ewiggestrigen der PDS? Nee, da bleibe ich lieber bei den Grünen“, sagt die Verwaltungsangestellte im Tempelhof-Schöneberger Finanzamt. Die beiden Helfer der Neuköllner Wahlalternative versuchen, ihr zu widersprechen. Frau Ramson aber bleibt hartnäckig bei ihrer Meinung, schimpft über die von der PDS mitgetragene Senatspolitik und den „Gysi, der wie ein Luftballon ist. Außen bunt schillernd, innen hohl“. Den ersten gemeinsamen Wahlkampfauftritt am Sonnabend um zehn Uhr vor der Reichelt-Filiale am U-Bahnhof Rudow haben sich die Neuköllner PDS und Wahlalternative doch etwas anders vorgestellt.

Die Zusammenarbeit zwischen den Linken im Bezirk laufe gut, betonen die Neuköllner PDS-Bezirkschefin Evrim Baba und Klaus-Dieter Heiser von der Wahlalternative (WASG). „Unter den 90 WASG-Mitgliedern in Neukölln sind viele Gewerkschafter und nur wenige frustrierte Ex-PDS-Mitglieder“, sagt Heiser. Auch Baba bezeichnet die WASG nicht – wie es ihr Parteichef Stefan Liebich getan hat – als „Gurkentruppe“, sondern spricht von „konstruktiven Gesprächen und gemeinsamen Veranstaltungen“.

Auf einen gemeinsamen Stand aber verzichten PDS und WASG, um „ Diskussionen über verbotene Listenverbindungen zu vermeiden“, sagt Heiser. So steht die PDS links, die WASG rechts neben einem Laternenmast, auf dem von oben herab per Plakat für die „SPD – Vertrauen in Deutschland“ Ditmar Staffelt gute Miene macht und darunter Eberhard Diepgen mit den Worten „Zuhören, nachdenken, handeln“ für die CDU wirbt.

Ein Mann, Jeans, T-Shirt und Lidl- Tüte in der Hand, kommt an den WASG- Stand. Der gebürtige Neuköllner, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte, ist seit sechs Jahren arbeitslos. „Für die kleinen Leute läuft vieles falsch“, sagt der 33-Jährige und ärgert sich über steigende BVG-Tarife oder die „schlechte Beratung“ in den Job-Centern. Er werde „aus Protest“ die Linkspartei wählen. „Wir brauchen eine starke Opposition.“ Darauf sagt WASG-Mann Heiser nicht viel, außer: „Das mit der starken Opposition, das können wir Ihnen versprechen.“ Der Mann nickt zufrieden und verabschiedet sich.

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