Berlin : Zwei Stunden lang standen die Kräne still Befristete Warnstreiks auf

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Die Gewerkschaft ist zufrieden. 5000 Bauarbeiter auf 53 Baustellen haben gestern nach ihren Angaben an bis zu dreistündigen Warnstreiks auf ihren Baustellen teilgenommen. „Wir sind zuversichtlich, einen guten Arbeitskampf hinzubekommen“, sagte Dirk Kuske von der IG Bau (Bauen, Agrar, Umwelt). „Die Leute sind kampfbereit.“ An den Großbaustellen am Hohenzollernplatz, dem Beisheim-Center am Potsdamer Platz oder dem Hotelprojekt Dom-Aquarée am Berliner Dom ruhte gestern in den Morgenstunden die Arbeit, gegen Mittag war die Baustelle am Palast der Republik dran. Auch viele kleinere Objekte wurden bestreikt. „Bei uns drehte sich zwei Stunden lang kein Kran“, sagte Frank Schulz von der Firma Wolff & Müller, die auf der Baustelle Beisheim-Center tätig ist. Schulz ist sicher, dass es bei der am Montag beginnenden Urabstimmung die nötige 75-Prozent-Mehrheit für einen Streik geben wird.

Die Kollegen gingen nicht nur für die Lohnforderung in Höhe von 4,5 Prozent in den Arbeitskampf, sondern auch, weil die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmten, sagte Schulz. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Arbeitgeber im Rahmentarifvertrag eine wöchentliche Arbeitszeit von Montag bis Sonnabend festschreiben wollten: „Der Sonnabend muss frei bleiben für die Familie, sonst bleibt die auf der Strecke.“ Dieser Auffassung ist auch Klaus Lüder, Betriebsratsvorsitzender bei der Strabag-Straßenbau Berlin. Er befürchtet einen Rückfall in die Verhältnisse der fünfziger Jahre. Neben der Sechs-Tage-Woche planten die Arbeitgeber auch, die Überstundentarife abzubauen. „Dass sie in den letzten Jahren immer weiter runtergruppiert wurden, daran haben sich die Arbeiter fast schon gewöhnt“, sagt Lüder. Statt eines Stundenlohnes von gut 13,50 Euro erhielten sie oft jetzt nur noch zwischen 11 und 12 Euro. Die Lohnverluste habe man dann eben durch Überstunden ausgeglichen. Sollten sich die Arbeitgeber durchsetzen, würde sich dies künftig nicht mehr rechnen. Das Ende der Fahnenstange sei schon lange erreicht.

Im Berliner Bauhauptgewerbe gibt es nach Angaben der IG BAU rund 15 000 Beschäftigte, davon sind mehr als die Hälfte gewerkschaftlich organisiert. Die bundesweite Urabstimmung läuft in der gesamten kommenden Woche. Bei einer Zustimmung wird der Streik am 17. Juni beginnen. Berlin soll von Anfang an in den Arbeitskampf einbezogen werden. Sigrid Kneist

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