• Zwei Zahnärzte mit Messer attackiert Täter soll in der Psychiatrie untergebracht werden

Berlin : Zwei Zahnärzte mit Messer attackiert Täter soll in der Psychiatrie untergebracht werden

Kerstin Gehrke

Der junge Mann hatte nur einen Wunsch. Er wollte seinen abgebrochenen Schneidezahn und damit die heftigen Schmerzen so schnell wie möglich loswerden. „Der muss gezogen werden“, sagte er seinem Zahnarzt. Vielleicht störte es ihn, dass der nicht sofort zur Zange griff. Robert F. ging zwar noch in einen Nebenraum, um eine Röntgenaufnahme machen zu lassen. Zur Auswertung des Bildes aber kam sein Arzt nicht mehr. „Ich habe ihn von hinten mit meinem Klappmesser gestochen“, gab der 23-jährige F. gestern vor dem Berliner Landgericht zu.

Robert F. verletzte den 37-jährigen Mediziner im Oberschenkel und im Arm. „Gezielt“, sagte er den Richtern. Dann sei er mit den Worten gegangen: „Jetzt könnt ihr die Polizei rufen.“ Tatsächlich erschienen mehrere Beamte in der Wohnung des gewalttätigen Patienten. Doch F. blieb zunächst ein freier Mann. Bis er knapp fünf Monate später bei einem anderen Zahnarzt als Schmerzpatient erschien. Wieder wurde er in den Behandlungsraum gerufen. Und wieder stach er von hinten zu. Der Arzt erlitt eine schwere Verletzung im linken Oberschenkel, die bis auf den Knochen ging.

„Es tut mir Leid. Ich weiß auch nicht, was mit mir los war“, sagte F. Er sei wütend gewesen. „Ich wollte die Behandlung erklärt haben“, sagte F. Doch zumindest der erste Arzt sei darauf nicht eingegangen. „Der wollte gleich loslegen.“ Warum er gleich zugestochen habe, wollte der Vorsitzende Richter wissen. „Weiß ich nicht. Hängt mit einer Psychose zusammen“, sagte der Mann aus Tempelhof. „Früher ist mir das noch nie passiert.“ Eigentlich sei er ein friedlicher Mensch. Einer, der selten die Wohnung verlässt und nur sehr selten Besuch bekommt, einer, der täglich fünf bis sechs Stunden vor dem Computer saß.

Die Polizei hatte bei dem Sozialhilfe-Empfänger sieben Computer und etwa 30 Cannabis-Pflanzen beschlagnahmt. Die Plantage befand sich in einem begehbaren Schrank. Er habe täglich einen Joint geraucht, sagt F. Dann habe er sich besser gefühlt. Derzeit befindet er sich im Maßregelvollzug. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er bei den Messer-Attacken krankheitsbedingt schuldunfähig war und strebt seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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