Berlin : Zwei Zellen gegen Rechts

Zentrum der Demokratie ist ein Jahr in Köpenick

Wiebke Heiss

Keine Klingel, kein Pfeil. Für Fremde ist es nicht leicht, das Zentrum für Demokratie zu finden. Der Weg führt an einem Gittertor vorbei, durch den Innenhof des ehemaligen Amtsgerichtsgefängnisses in Köpenick, wo in einem Gebäudeflügel die Gedenkstätte für die Opfer der Köpenicker Blutwoche untergebracht ist. Und im Innern dieser Gedenkstätte steckt das Zentrum der Demokratie – in zwei kleinen Knastzellen. „Bekannt sind wir aber eher bei denen, die sich eh schon mit der Thematik der rechten Gewalt beschäftigen“, sagt Diplom-Politologin Tanja Berg.

Vor einem Jahr beschloss das Bezirksamt in Treptow-Köpenick die Einrichtung eines Zentrums, um das „Bewusstsein der Demokratie zu fördern und zu stärken“. Es sollte die Antwort sein auf das Bildungszentrum der NPD in der Seelenbinderstraße. Gleich um die Ecke in der Puchanstraße hat man also das Zentrum der Demokratie eingerichtet: ein karg ausgestattetes Büro und zwei Halbtagsstellen. „Eine Kommunalstudie zeigt, dass Treptow-Köpenick neben Pankow ein zentraler Ort ist, an dem es viele organisierte Rechtsextreme gibt“, sagt Tanja Berg. Oft rufen Leute aus der Nachbarschaft an, die ein Plakat mit rechtsextremen Sprüchen gesichtet haben oder die sich Sorgen über Neonazis machen, andere haben Fragen zu Veranstaltungen des Zentrums oder Interesse an Projekten gegen Rechtsextremismus. Mit Partnern wie dem Netzwerk für Demokratie und Toleranz, dem Bund der Antifaschisten Treptow oder Migrantenvertretern wurden Projekte organisiert. Die fanden im Rathaus, in Klassenzimmern, in Seniorenheimen statt. So wie auf einer Informationsveranstaltung in Adlershof, auf der „Rechtsextremismus in Treptow-Köpenick“ behandelt wurde. Oder das Argumentationstraining für Beschäftigte in der Sozialarbeit, damit die Strategien lernen, um besser mit extremen Stammtischparolen umzugehen. Und demnächst soll am berüchtigten S-Bahnhof Schöneweide ein interkulturelles Fest gegen Rechts gefeiert werden.

„In meiner Wahrnehmung bringt unser Engagement etwas“, sagt Tanja Berg. „Aber es wäre hilfreich, wenn wir perspektivisch mehr als zwei Halbtagsstellen hätten.“ Und möchte man den großen Worten aus der Politik Glauben schenken, die diesen Ort Zentrum der Demokratie tauften, dann müssten vielleicht auch ein Klingelschild und ein paar Zellen mehr drin sein.

Zentrum für Demokratie, c/o Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche, Puchanstraße 12, Tel/Fax: 654 87 293, E-Mail: zfdtk@t-online.de

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