Berlin : Zweifel am Zeitplan

Investoren am BBI-Flughafen halten sich zurück Trotzdem soll die Region spitze werden

Klaus Kurpjuweit

Berlin und Brandenburg haben ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen die Region unter die ersten fünf der europäischen Flughafenstandorte bringen. Dies verkündeten Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) und Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) gestern nach einer Sitzung des Lenkungsausschusses für die BBI-Umfeldvermarktung. Während sie gute Chancen sehen, durch den Flughafenausbau neue Unternehmen ansiedeln zu können, hat nach Tagesspiegel-Informationen das Interesse von Investoren aber zuletzt erheblich nachgelassen, weil unsicher ist, wann der BBI-Flugbetrieb aufgenommen werden kann.

Die Flughafengesellschaft beteuert nach wie vor, dass der Zeitplan mit der BBI-Eröffnung Anfang November 2011 eingehalten werden könne, obwohl der Bau für das Abfertigungsgebäude neu ausgeschrieben wird. Die vier in der ersten Runde eingegangenen Angebote lagen, wie der Tagesspiegel berichtet hatte, alle rund 400 Millionen Euro über den erwarteten Kosten. Wenn der Terminal-Bau termingerecht fertig werden soll, müssen die Arbeiten nach Angaben der Flughafengesellschaft spätestens im Juli/August 2008 beginnen.

Bevor feststeht, dass zu diesem Zeitpunkt die Bauarbeiter auch wirklich anrücken, will sich nach Tagesspiegel-Informationen zumindest ein Teil der Investoren, die in der vor dem Terminal geplanten „Airport-City“ bauen wollen, nicht festlegen. Die dort vorgesehenen Hotelanlagen, Bürobauten und Parkhäuser sollen privat finanziert werden.

Die Flughafengesellschaft wollte den Bau des Abfertigungsgebäudes einem Generalunternehmer übertragen. Weil die Angebote dafür um 70 Prozent über den von den Planern kalkulierten Kosten lagen, schreibt die Flughafengesellschaft den Bau nun in sieben Losen aus. Im ersten Schritt soll die Ausführungsplanung noch in diesem Jahr vergeben werden.

Weil die Aufträge nun geteilt werden, wird auch die Bauüberwachung und Koordination der Arbeiten komplizierter. Während die Flughafengesellschaft auch hier zuversichtlich ist, die erforderlichen Fachleute zu finden, halten Bauexperten es kaum für möglich, diese Spezialisten kurzfristig verpflichten zu können. Die Bewerber um den Generalauftrag hatten dafür, wie verlautet, jeweils weit mehr als hundert Fachleute vorgesehen. Sollte es auch hier Probleme geben, könnte sich der Eröffnungstermin ebenfalls verschieben, sagen Branchenkenner. Sie bezweifeln auch, dass die Kosten durch die neue Ausschreibung deutlich gesenkt werden können.

Immerhin, beim Ziel, in die „Top 5“ der europäischen Flughafenregionen aufzusteigen, sind Wolf und Junghanns ohne Termindruck: Sie haben dafür keinen Zeitpunkt genannt. Klaus Kurpjuweit

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