Berlin : Zweite Chance nicht genutzt

Gerade erst hatte ein Richter ihm Haftverschonung gewährt, jetzt schlug 16-jähriger Serieneinbrecher erneut zu

Jörn Hasselmann

„Ein neuer Fall“ war vor zwei Wochen eine Meldung im Tagesspiegel überschrieben. Etwa 70 Einbrüche hatte der 16-jährige Hasan H. (Name geändert) nach seiner Festnahme auf frischer Tat gestanden. Ein Richter erließ Haftbefehl, verschonte den Jugendlichen aber von der Untersuchungshaft. Doch Hasan H. nutzte diese letzte Chance nicht, jetzt schnappte die Kripo ihn erneut. Und diesmal kannte der Richter – derselbe wie vor zwei Wochen – kein Pardon mehr: Hasan H. sitzt jetzt im Gefängnis und wartet dort auf seinen Prozess. Als „bedauerlich“ hatte es der Leiter der Kriminalpolizei der Kreuzberger Polizeidirektion 5, Carsten Wendt, vor zwei Wochen bezeichnet, dass der 16-Jährige trotz des Haftbefehls auf freiem Fuß geblieben war.

Denn die Kriminalpolizisten waren erstaunt über die kriminelle Energie des türkischen Jungen. Mit wechselnden Mittätern, aber immer als treibende Kraft, war Hasan H. in Parterrewohnungen in Kreuzberg 36 eingebrochen.

Begonnen hatte die „Karriere“ des Hasan H. im Sommer 2003, nach dem sich sein Fußballverein aufgelöst hatte, in dem er sehr aktiv gewesen war. Danach sei er über Freunde auf die Einbrecherbahn geraten, hatte Hasan in der Vernehmung berichtet. Die Einbrüche seien „mit erheblicher Schlagzahl“ erfolgt, sagte ein Ermittler. Nach seiner Festnahme Ende Januar vor einem Haus in der Lausitzer Straße konnte Hasan H. nicht mehr sagen, wie viele Taten er in den vergangenen Monaten verübt hatte. Er schätzte sie auf „60 bis 80“. Trotz dieser kriminellen Energie hielt der Richter Untersuchungshaft nicht für angemessen. Hasan H. sei erst 16 Jahre alt, wohne bei seinen Eltern und wolle eine Ausbildung beginnen, hieß es zur Begründung.

Gegen 16 Uhr am Dienstag hatten Zivilfahnder Hasan H. und seinen gleichaltrigen Komplizen Yassir F. in der Eisenbahnstraße entdeckt und observiert. Nachdem eine Zeugin sie beim ersten Einbruchsversuch gestört hatte, zogen sie in die Muskauer Straße weiter. Nachdem sie auch dort versuchten, in eine Wohnung einzudringen, nahmen die Zivilbeamten sie fest. Bei ihrer Vernehmung gestand Hasan H. drei Einbrüche seit der Haftverschonung. Dazu war der Türke nach Friedrichshain ausgewichen – weil das Pflaster in Kreuzberg ihm zu heiß geworden war.

Haftverschonung nach Messerangriff

Haftbefehl mit Haftverschonung erhielt ein 17-jähriger Jugendlicher aus Spandau, der am 23. Januar im Streit einen 23-Jährigen niedergestochen haben soll, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Das Opfer bekam drei Stiche in den Oberkörper und liegt im Krankenhaus. Dem 17-Jährigen wird versuchter Totschlag vorgeworfen.

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