Berlin : Zweiter Anlauf im Prozess um mutmaßlichen Drogenboss

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Der „Präsident“ saß wieder ganz in Schwarz auf der mit Panzerglas geschützten Anklagebank – und wieder ging es zunächst um seine seit Jahren umstrittene Identität. Wie beim ersten Anlauf des Großverfahrens will er, der mutmaßliche Bandenchef, schweigen. Gestern wurde der Drogen-Prozess gegen Mahmoud Al-Z., einen der bekanntesten Kriminellen der Stadt, neu aufgerollt.

Der Prozess läuft unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen. Es geht um internationalen Rauschgifthandel, um organisierte Kriminalität. Neben Al-Z. müssen sich acht weitere Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 26 und 37 Jahren verantworten. Sie sollen als Bande mit Haschisch, Kokain und Heroin gehandelt haben. Das Rauschgift wurde laut Anklage aus den Niederlanden nach Deutschland geschmuggelt. Ein erster Anlauf des Prozesses war im Frühsommer nach viermonatiger Verhandlung geplatzt, als Befangenheitsanträge von Verteidigern gegen die damaligen Richter Erfolg hatten.

Einen Mann dürfte Mahmoud Al-Z., der nach Ansicht der Staatsanwaltschaft tatsächlich „Mahmut U.“ heißt und nicht aus dem Libanon, sondern der Türkei stammt, von seinem Platz aus gut im Blick haben: den Angeklagten Ahmed A.-K., einen 37-jährigen Araber. Er, der einst ein enger Vertrauter des „Präsidenten“ war, gilt als ein Drahtzieher des Drogengeschäfts. Er aber hat geplaudert und auch Al-Z. belastet. Im Saal 500 sitzt er dem Präsidenten gegenüber, allerdings in einer „Einzelloge“. Für den wegen Rauschgifthandels vorbestraften Kronzeugen sind etliche Personenschützer im Einsatz. Vermummte Beamte geleiteten Ahmed A.-K. in den Gerichtssaal. Dabei hatten sie ihn mit großen Regenschirmen vor Pressefotografen abgeschirmt. A.-K. will sich auch im Prozess umfassend äußern.

Angeblich war er bereits im Ermittlungsverfahren zu einer Aussage bereit, weil er sich verraten fühlte. Er hat allerdings bei Verteidigern von Mitangeklagten nicht den besten Ruf. Der Prozess wird am 16. Oktober fortgesetzt. K.G.

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