• Zweites Zuhause: Mit Radelkursen für Frauen fing alles im Griechischen Treffpunkt "To Spiti" an

Berlin : Zweites Zuhause: Mit Radelkursen für Frauen fing alles im Griechischen Treffpunkt "To Spiti" an

Henning Kraudzun

Die Offenheit fällt auf: Eine Gruppe Frauen sitzt im "To Spiti", sie plaudern angeregt. Eigentlich ist der heutige Tag ihnen vorbehalten, Männer sind unerwünscht. Aber einladende Gesten bedeuten, dass man ihre Kaffeerunde nicht störe. "To Spiti" ist griechisch und bedeutet "das Zuhause" - ein zweites Zuhause für viele, die hier in die Morusstraße 18"a kommen.

"Dieser Treffpunkt griechischer Frauen ist für uns sehr wichtig.", sagt Virginia Kumbia-Papadopolou. Hier biete sich eine Hilfe zur Selbsthilfe. Als sie vor 15 Jahren das erste Mal "To Spiti" besuchte, wollte sie mit anderen über die eigenen Probleme sprechen, Erfahrungen beim Umgang mit den deutschen Behörden austauschen. "Aber vor allem reizten mich die kulturellen Angebote." Tanzen - das sei ihre Welt. Heute leitet sie selber einen Kurs. "Wenn man genug hat von der eigenen Wohnung, dann sucht man die Gemeinschaft.", sagt Jutta Aladali. Aus der kleinen Welt sei sie in eine offene und hilfsbereite Gruppe gekommen. "Hier kannst du schwatzen, fröhlich sein.", sagt Anna Hehr-Maurydu. Das habe auch vielen Frauen ein neues Leben ermöglicht.

Die griechische Begegnungsstätte in Neukölln ist die einzige dieser Art in Berlin. Derzeit leben über 11.000 Griechen in der Stadt, die Hälfte von ihnen in Kreuzberg und Neukölln. Die Morusstraße 18"a ist ihr Treffpunkt. Auch ihre Nachbarn kommen - Nationalitäten spielen hier keine Rolle. Viele wollen etwas über Griechenland erfahren, seine Kultur, die Traditionen. "In der lockeren Atmosphäre schließen die Leute aus dem Kiez schnell Freundschaften untereinander", sagt Niki Reister, seit 1988 Leiterin von "To Spiti". Ein Grundgedanke blieb bis heute: "Wir laden die Leute zum Wohlfühlen bei uns ein." Das Angebot nehmen immer mehr Leute an. Vor allem, wenn Volksfeste auf dem Hof anstehen, wird es richtig voll im. "Unsere Jubiläumsparty lockte über 500 Leute an, die am Ende alle ausgelassen tanzten", sagt Reister. Bouzouki-Klänge, landestypisches Essen und Tanzgruppen holten für einen Abend Griechenland nach Berlin.

Begonnen hatte das Projekt vor über 20 Jahren als Frauengruppe in der Karl-Marx-Straße. Schlechte Lebensbedingungen griechischer Frauen in Berlin, die in patriarchalischen Familienclans lebten und wenig Kontakt zur Außenwelt besaßen, machten eine Begegnungsstätte erforderlich. Das Diakonische Werk Berlin ist seitdem Träger des Vereins. Mittlerweile ist die Morusstraße das dritte und ansehnlichste Domizil des Vereins.

Nach einigen Jahren erweiterten die Sozialarbeiterinnen um Niki Reister ihr Angebot. Sie boten erste Sprachkurse für die Frauen an. Gymnastikseminare und psychologisches Training kamen hinzu. "Unvergessen sind auch die Fahrradkurse für Griechinnen.", sagt Frau Reister und lacht. Nach Trockenübungen, dem "gekonnten Hinfallen" in der Turnhalle, erlernten die Frauen das Radfahren mit Stützrädern auf dem Hof - "ein kurioses Schauspiel". Heute seien sie allesamt versierte Radfahrerinnen. "Die Frauen lernten all die Dinge, für die sie zu Hause keine Zeit hatten.", sagt Pigi Mourmouri, die zweite Sozialarbeiterin neben Niki Reister.

Mittlerweile richten sich die Angebote nicht nur an die Frauen, sondern auch an deren Familien. Ein "Familiensonnabend" wurde eingeführt. Tanz- und Musikkurse bringen südeuropäische Traditionen nach Berlin. Ausstellungen und Konzerte vermitteln ein abwechslungsreiches Bild der griechischen Kultur. Vor kurzem erschien ein Buch über die Geschichte von "To Spiti". Der Titel: "Ein Zuhause in Berlin".

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