Berlin : Zwischen Weltruhm und Tod im KZ

Was wurde eigentlich aus ihnen? Das Schicksal von Olympiasportlern von 1936

Thomas Loy

Jesse Owens , vierfacher Goldmedaillengewinner: Nach den Spielen macht Jesse Owens Schaurennen, um seine fünfköpfige Familie zu ernähren. Er räumt seinen Konkurrenten einen Vorsprung von 10 Metern ein und gewinnt trotzdem. Er läuft sogar gegen Rennpferde. Nach dem Weltkrieg gründet er eine PR-Firma und tourt als Redner durch die USA. Owens ist Kettenraucher und stirbt im Alter von 66 Jahren an Lungenkrebs.

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Werner Seelenbinder , 4. Platz im Ringen: Seelenbinder war KPD-Anhänger und hatte schon 1928 an der Spartakiade in Moskau teilgenommen. Bei den Spielen will er auf dem Treppchen den Hitlergruß verweigern, aber leider wird er nur Vierter. In den folgenden Jahren nutzt er internationale Wettkämpfe, um Propagandamaterial nach Deutschland zu schmuggeln. Im Februar 1942 nimmt ihn die Gestapo fest. 1944 wird er wegen „kommunistischer Agitation“ im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

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Gretel Bergmann , Hochspringerin: Sie wird als Jüdin nicht zu den Spielen zugelassen, obwohl sie mit 1,60 Meter deutschen Rekord im Hochsprung hielt. Während der Spiele steht sie unter Hausarrest. Danach bewirbt sie sich an der Hochschule für Leibeserziehung in Berlin und wird abgewiesen. Sie flüchtet noch im gleichen Jahr nach England und später in die USA. Den Schwur, nie wieder deutschen Boden zu betreten, hält sie ein. Sie arbeitet zunächst als Putzfrau und Altenpflegerin, um ihrem Mann die Ausreise aus Deutschland zu finanzieren.

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Helene Mayer , Silber im Fechten: Die „Blonde He“ hatte bei den Olympischen Spielen 1928 die Goldmedaille im Fechten geholt. Nach weiteren Erfolgen bei Weltmeisterschaften geht sie zum Studium in die USA. Auf Druck der US-Sportfunktionäre wird sie als einzige Jüdin ins deutsche Team aufgenommen. Trotz der Judenverfolgung startet Helene Mayer noch 1937 bei den Fecht-Weltmeisterschaften in Paris für Deutschland, lebt aber weiter in den USA. Nach Kriegsende kehrt Helene Meyer nach Deutschland zurück und stirbt 1953 an Krebs.

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Ludwig (Luz) Long , Silber im Weitsprung: Der Kontrahent von Jesse Owens im Weitsprung macht nach 1936 weiter Sport, promoviert in Jura und lässt sich in Hamburg nieder. 1940 tritt er der NSDAP bei. Im Juli 1943 wird er bei Kampfhandlungen auf Sizilien verletzt. Wenig später stirbt Ludwig Long. Posthum wird ihm für sportliches Verhalten die Coubertin-Medaille verliehen. Jesse Owens erfährt nach dem Krieg vom Tod seines Freundes und besucht dessen Familie.

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Konrad Frey , dreifacher Goldmedaillengewinner im Kunstturnen: Frey ist mit sechs Medaillen der erfolgreichste deutsche Teilnehmer der Olympischen Spiele von 1936. Frey wird Sportlehrer in seiner Heimat Bad Kreuznach, geht als Feldwebel in den Krieg, verdient sich mehrere Abzeichen an der Front und fängt nach 1945 wieder als Lehrer an. Bei den Olympischen Spielen 1972 ist er Ehrengast des olympischen Komitees. Zwei Jahre später stirbt Konrad Frey.

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